Wenn Corona will, steht (fast) alles still. Update 22 vom 06.04.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Das wird diesmal ein etwas anderes Fasten„. So hat zu mir ein Gemeindemitglied am 16.03.2020 und damit ganz am Anfang der Zeit mit Versammlungsverbot gesagt. Einen Tag vorher hatte ich in unseren beiden Kirchengemeinden die letzten Gottesdienste gefeiert. Die geplante Feier mit Hl. Abendmahl wurde schon weggelassen. Wer hätte das am Anfang der diesjährigen Passionszeit gedacht, dass diesmal die Art des „Fastens“ praktisch vorgegeben wird. In den letzten Jahren hörte ich vermehrt: „Was fastest Du denn diesmal?“ Manchmal hörte sich das fast ein wenig verzweifelnd an. So als muss jeder seinen Beitrag dazu leisten. Tatsächlich fiel mir das immer schwerer, mitzumachen. Alkohol trinke ich fast gar nicht, Süßigkeiten gibt es bei mir seit acht Jahren nicht mehr, Fleisch vielleicht einmal in der Woche, nach große Feierlichkeiten steht mir auch nicht immer der Sinn. Digitales Fasten! Ganz ehrlich: Ich benutze dieses Medium nur zu Arbeitszwecken und für wenige Kontakte und Gruppen. Kein Facebook, kein Instagram, kein Twitter. Wenn ich hier mit Fasten prahlen würde, dann wäre ich nicht ehrlich. Denn da gäbe es keinen Unterschied zu den übrigen 46 Wochen.

Was kann ich also fasten? In diesem Jahr hat mir jemand gesagt: „Ich faste vom Fasten. Also ich tue jetzt alles, was mir Spaß macht“. Ich dachte mir: Wenn Du meinst. Warum nicht? Auch eine Möglichkeit. Ob das aber der Sinn vom Fasten ist? Dann kenne ich Leute, die sagen: „Ich esse 6 Wochen lang keine Schokolade und dann haue ich mir am Ostersonntag gleich zwei Schokoladetafeln rein“. Gut, dann spürt derjenige, dass selbst Schokolade wirklich ein Genuss ist, die er nicht unbewusst essen sollte. Ist das mit Fasten gemeint? Es gibt ja unzählig viele Bücher zum Thema. Sie bringen gute Gedanken. Ich dagegen schaue (wie könnte es auch anders sein) wieder einmal in die Bibel und entdecke ein für mich wichtige Stelle auf dem Buch des Propheten Jesaja: „Warum fasten wir, und du siehst es nicht an?…Siehe, an dem Tag, da ihr fastet, geht ihr doch eure Geschäften nach und bedrückt alle eure Arbeiter. Siehe, wenn ihr fastet, hadert und zankt ihr und schlagt mit gottloser Faust drein…Soll das ein Fasten sein, an dem ich Gefallen habe…wollt ihr das ein Fasten nennen und einen Tag, an dem der HERR Wohlgefallen hat? Das aber ist ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg! Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!“ (Jes 58, 3a,4a,6-7). Wenn ich diese biblischen Worte recht verstehe, ist ein Fasten nach dem Willen Gottes nicht auf mich und meinen Wünschen und Eigenarten gerichtet. Dieses Fasten, von dem der Prophet spricht, ist auf den Nächsten gerichtet. Es hat damit zu tun, dass ich in Gemeinschaft mit anderen Menschen lebe. Es kommt also beim Fasten auf das Motiv an. Dann spielt es keine Rolle, ob ich während der Fastenzeit Alkohol trinke oder auf Schokolade verzichte oder auf eine andere Vorliebe. Das Verhältnis zu meinem Mitmenschen ist entscheidend, ob ich nach dem Willen Gottes faste oder nicht. Vor allem auch: Loslassen können von dem, womit ich andere bedrücke. „Das habe ich Dir doch schon so oft gesagt“, „Willst Du das nicht verstehen oder kannst Du das nicht“, „Du begreifst das einfach nicht“, „Hör gefälligst auf das, was ich Dir sage“, „Ich entscheide hier und Du hast mir nicht hineinzureden“, „Siehste, da habe ich doch wieder einmal Recht gehabt“. usw. Das sind nur ein paar Beispiele, an denen ich sehen kann, wo ich andere binde anstatt loszulassen. Solche Sätze zu vermeiden und damit den anderen loszulassen und ihm eigene Wege zugestehen – das wäre ein Fasten nach biblischem Vorbild aus dem Jesajabuch. Das wäre wirklich ein „anderes Fasten“. Und das nicht nur zu Coronazeiten.

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Am kommenden Mittwoch, den 8. April, wird zum Gebet für Deutschland eingeladen. Unterstützt wird die Veranstaltung u.a. von der evangelischen Regionalbischöfin von Bayreuth, Dorothea Greiner, dem katholischen Bischof vom Bistum Eichstätt, Gregor Maria Hanke OSB, von Volker Kauder, MDB und ehemaliger Fraktionsvorsitzender von CDU/CSU im Dt. Bundestag, von Julia Glöckner, Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft sowie dem Sieger einer Ausgabe von „The voice of Germany, Samuel Rösch

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