Wenn Corona will, steht (fast) alles still, update 59 vom 13.05.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Bald können hoffentlich wieder Gottesdienste gefeiert werden. Ich gehe in die Kirche und schaue auf die Liedertafel.

Die Liednummern spiegeln das Singen des letzten Gottesdienstes am 15.03.2020 wieder. Ich werde etwas wehmütig. Seit 2 Monaten gibt es diese für Christen so wichtige Feier am Sonntag morgen nicht mehr. Online-Gottesdienste im Internet oder Fernsehgottesdienste sind für mich selbst kein Ersatz. Ich brauche das Erlebnis live vor Ort.

EG 621wurde gesungen: „Ich bin durch die Welt gegangen, und die Welt ist schön und groß; und doch ziehet mein Verlanden mich weit von der Erde los„. Das Lied zeigt etwas von der besonderen Perspektive eines Christen auf. Dieses Leben hier auf Erden ist ganz wichtig. Wir dürfen uns an Menschen und an der Natur freuen. Dennoch ist es nur so eine Art „Vorstufe“ für eine andere Wirklichkeit, für ein Leben bei Gott.

EG 391 ist erst seit der liturgischen Reform zum 1. Advent 2018 das Wochenlied für den dritten Sonntag in der Passionszeit (Okuli): „Jesu, geh voran„. Ältere kennen es besonders dadurch, dass sie dieses Lied als Konfirmanden bei ihrem Festtag der Gemeinde vorsingen „mussten“. Es war bei mir 1972 auch so. Es war ein kläglicher Gesang. Wir waren insgesamt 6 Personen. Die drei Jungs waren im Stimmbruch und die drei Mädchen waren schüchtern!! Und dann vor allen anderen Gottesdienstbesuchern vorsingen? Vielen Menschen hat es erst als Erwachsener Halt und Trost gegeben. Es wird deshalb häufig als Lied zu einer Beerdigung gewünscht.

EG 564 ist eines meiner Lieblingslieder: „Komm, Heilger Geist, mit deiner Kraft, die uns verbindet und Leben schafft. Wie das Feuer sich verbreitet und die Dunkelheit erhellt, so soll uns dein Geist ergreifen, umgestalten unsre Welt“. Sobald ein Predigttext das Thema „Heiliger Geist“ als Hauptthema zum Inhalt hat, lasse ich es singen. Ich freue mich besonders dann, wenn der Posaunenchor beteiligt ist. Es gibt dazu ein herrliches Vor- und Nachspiel. Es drückt Bewegung, Begeisterung, Feuer des Glaubens aus.

Nr. 96 aus der Blauen Mappe erinnert mich an das Grundbekenntnis meines Glaubens: Gott ist wie ein Vater. „Vater, ich komme jetzt zu dir, als dein Kind lauf ich in deine Arme. Ich bin geborgen, Du stehst zu mir, lieber Vater. Vater, bei Dir bin ich zu Hause. Vater, bei Dir berge ich mich. Vater, bei Dir finde ich Ruhe, o mein Vater, ich liebe Dich„.

Nr. 24 aus der Blauen Mappe stärkt das Vertrauen in Gott. „Ich trau auf dich, o Herr. Ich sage, du bist mein Gott. In deiner Hand steht meine Zeit, in Deiner Hand steht meine Zeit. Gelobet sei der Herr, denn er hat wunderbar seine Liebe mir erwiesen und Güte mir gezeigt.“. Wie wahr. Und wie oft habe ich in den letzten zwei Monaten an dieses Lied mit dem Psalmwort aus Ps 31 gedacht.

Nr. 30 aus der Blauen Mappe gehört zu den neuen Passionsliedern, von denen es nur ganz wenige gibt. Manche meinen, dass Lobpreislieder nur Freude anstimmen können. Dem ist aber wohl nicht so. Es gibt auch den „Lobpreis aus der Tiefe“. Vielleicht ist er noch wichtiger als der „Lobpreis aus der Höhe“. Dieses Lied eignet sich deshalb besonders für die Passionszeit. „Würdig und herrlich ist das Lamm. Jesus, Dir allein sei Ehre. Du, der Du sitzt auf Deinem Thron, Dir sei Ruhm in Ewigkeit. Halleluja, Sei erhoben, o Herr, Du bist König, und wir beugen uns, Herr. In Anbetung singen wir zu Dir„. Auch im Nachhinein erkenne ich, dass diese Lieder vom 15.03.2020 ein breites Spektrum an geistlichen Lieder und an verschiedenen Themen abgebildet haben. Ich bin gespannt, wann wir sie wieder singen können. Hinter einer Maske will ich das jedenfalls nicht tun.

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