Wenn Corona will, steht (noch) manches still, Update 147 vom 09.08.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Miteinander feiern

Heute haben wir das zweite Wochenende im August. Bis vor gut 15 Jahren war das für die Altensittenbacher eine besondere Zeit. Sie feierten das Dorffest. Als ich 1996 im Herbst hierhergekommen bin, wurde mir das schon bei den Grußworten nach dem Einführungsgottesdienst vorangekündigt. Ich wartete also fast 10 Monaten auf diesen großen Tag. Dann war es so weit. Die insgesamt 12 damaligen Vereine des Dorfes bereiteten alles vor und es herrschte eine angenehme Atmosphäre. Ich erinnere mich an viele Gespräche am Biertisch. Am Abend gab es Livemusik und das gesamte Dorf präsentierte sich als Einheit. Neben dem Grußwort des Bürgermeisters konnte ich als Pfarrer eine kleine Andacht halten. Ein Drittel des Gesamterlöses des Festes wurde einem guten Zweck gespendet wie z.B. auch der Diakonie. Einmal wurde mit der Spende in unserer Kirchengemeinde ein neuer Kelch angeschafft, weil ein sehr alter nicht mehr benutzt werden konnte. Diese Spende des Dorffestes hat nicht unwesentlich dazu beigetragen, dass der neue Kelch finanziert werden konnte. Noch heute bin ich allen Verantwortlichen dafür dankbar.

Nach etwa 5 bis 7 Jahren habe ich aber gemerkt, dass die Begeisterung nachließ. Fast jeder Verein hatte mittlerweile seine eigenes „kleines“ Fest. Der Hersbrucker Ortsteil „Altensittenbach“ fällt auch flächenmäßig auseinander und ist kein Dorf mehr im klassischen Sinn. Das große Neubaugebiet im Hirtenbühl Richtung Reichenschwand zeigt das deutlich. Mittlerweile wurde und wird dieser Ortsteil noch zweimal erweitert. Der Zusammenhalt eines Dorfes ist kaum mehr zu erkennen. Die einzelnen Vereine kämpfen teilweise ums Überleben. Das gilt vor allem für die Vereine, die schon weit über 100 Jahre alt sind. Neue Vereine kennen diese Tradition des „Dorffestes“ nicht mehr bzw. wollen dies auch nicht mehr beleben. Auf der einen Seite ist dies zu bedauern, auf der anderen Seite ist das auch hinzunehmen. Dinge und Situationen verändern sich. Alle Zeiten haben ihre eigenen Gesetze und Formen. Gute alte Traditionen gehen zu Ende. Auf der anderen Seite ist das klaglos hinzunehmen. In Nostalgie zu verfallen, wäre schlimm. Es ist eben so wie es ist und es gilt, das Beste daraus zu machen.

Das gilt auch für die Kirchengemeinde Altensittenbach. Und es fällt mir nicht immer leicht, die unterschiedlichen Meinungen und Vorstellungen zusammenzubringen. Letztlich steht das alles auch in Gottes Hand. Aber immerhin eines habe ich bei der Vorbereitung für eine Andacht auf dem Dorffest gelernt: Der Unterschied zwischen Katholisch und Evangelisch liegt in der Bratwurst. Aber davon dann übermorgen mehr.

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