Wenn Corona will, steht (noch) manches still, Update 157 vom 18.08.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Wo sind die Koffer?

Ich hatte gleich ein so komisches Gefühl an diesem Abend. Es war ein wunderschöner Tag, dieser 19.08.1998. Heute vor genau 22 Jahren. Unsere ganze Familie steckte in den Vorbereitungen zum Urlaub an der Lübecker Bucht. Es sollte nach Grömitz gehen. Zum dritten Mal wollten wir mit unserem Ford Escort-Diesel in den Urlaub fahren. Zwei Erwachsene und drei Kinder. Da gibt es viel Gepäck. Der Gepäckträger war längst nicht so tief wie beim alten Auto. Aber er hat schon 2-mal vorher gehalten. Ich lege die Gepäckstücke in den Gepäckträger. Ich lege eine Plane darüber und zurre alles insgesamt fest. Nachher hat mir jemand gesagt, dass ich jeden einzelnen Koffer extra anschnallen hätte müssen. Irgendwann gegen 21.00 Uhr fahren wir los. Ich habe zweimal gehalten um die Gurte fester zu schnallen. Beim Tanken auf der A 7 schaue ich noch einmal nach oben und bemerke (leider) nichts. Auf der dreispurigen Autobahn fahren die Autos dicht an dicht.

Nach vielen weiteren Kilometern überholt mich ein roter Bus und schaltet die Warnblinkanlage an. Er fährt direkt vor mir her und wird immer langsamer. Er hat die Warnblinklichter an und ich erkenne, er will mich zum Halten bringen. Das geschieht. Ich sehe noch, dass hinten am Bus ein Fisch klebt, so wie das bei Christen immer wieder der Fall ist. Beim Bus steigt ein Mann aus und geht auf unser Auto zu. Ich steige ebenfalls aus, gehe ihm entgegen und der Mann sagt zu mir: „Ich bin gerade über ihre Koffer gefahren“. Ich blicke mich um. Tatsächlich: Auf dem Auto befindet sich kein Koffer mehr. Er sagt mir, dass bei seinem Auto Schläge im Motorbereich zu hören sind. Er will nach Dänemark fahren und sich das anschauen lassen. Ich gebe ihm meine Telefonnummer, damit er mich evtl. erreichen kann. Dann fährt er weiter und ich rufe die Polizei. Im Auto fangen wir an zu beten und zu danken.

Nach etwa 15 Minuten kommen zwei Politzisten auf mich zu. Einer hat ein Handtuch in der Hand. „Das ist alles, was wir gefunden haben“. Wir kommen ins Gespräch und er sagt: „Wissen Sie, was passieren hätte können? Aber es ist ja noch einmal gutgegangen. Geben Sie mir 20,– Mark Ordnungsstrafe und fahren Sie weiter nach Grömitz. Und danken Sie Gott dafür, dass nicht mehr passiert ist“. Ich denke noch: Was glauben Sie, was wir gemacht haben? Aber schon war der Polizist weg. In Grömitz angekommen, standen wir nur mit den Kleidern auf dem Körper da. Also hieß es zuerst einmal neue Kleider kaufen! Meine Kinder meinten hinterher: „Papa, so spendabel warst du ja noch nie“. Mein schlechtes Gewissen hat also den Geldbeutel geöffnet.

Drei Wochen später, an einem Sonntag ein Anruf bei uns zu Hause. Es war der Busfahrer von der Autobahn. Er hat den Schaden an seinem Auto für 50 Mark reparieren lassen und ob er das Geld haben könnte. Natürlich. Am Schluss des Gesprächs frage ich ihn nach den Fisch auf dem Auto. „Ich bin Christ und deshalb dieser Fisch. Außerdem bin ich Pastor einer freien Gemeinde“. Mein Antwort: „Ich bin auch Christ und habe ebenfalls einen Fisch auf dem Auto. Und ich bin Pfarrer in einer Landeskirche“. Zwei Jahre später haben wir ihn in seiner Gemeinde in Lahr besucht. Im Gottesdienstraum war ein Bild von unserem kranken Sohn Simon aufgehängt. Die Christen dort haben intensiv für ihn gebetet.

Und jetzt die spannende Frage: War das alles nur Zufall? Oder geht Gott Wege, die wir uns kaum vorstellen können? Wir haben jedenfalls erlebt: Gott kann in der größten Krise Zeichen seiner Gegenwart senden. Und das wünsche ich jeden/r Leser/-in dieser Zeilen.

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