Wenn Corona will, steht (noch mehr) still, Update 249 vom 19.11.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Aus Brote werden Rosen

Manchmal müssen Menschen nicht sehr alt werden um berühmt zu sein oder gar im Heiligenkalender zu stehen. Manchmal ist solch eine Lebensgeschichte eine einzige Krisengeschichte und doch bleibt der Mensch in Erinnerung. So geht es auch mit der Frau, die 1207 als ungarische Königstochter geboren wurde. Sie war damit Zeitgenossin von Franz von Assisi. Und auch ihr Leben wirft einen Blick auf die damalige geistliche Situation im heutigen Europa.

Im Alter von vier Jahren kam sie an den thüringischen Hof auf die Wartburg. Mit 14 Jahren heiratete sie den sieben Jahr älteren Ludwig IV. Ihr Mann musste in den Kreuzzug ziehen und starb dort. Sie war da gerade 20 Jahre alt und hatte drei Kinder geboren. Sie war auf der Wartburg ohne Rückhalt und wurde vertrieben. Im Schutz ihres Beichtvaters Konrad von Marburg kam sie in diese Stadt. Ein Jahr später gründete sie dort ein Hospital, das als erstes nördlich der Alpen dem heiligen Franziskus geweiht wurde, der da gerade zwei Jahre tot war (siehe meine Updates 205 – 210). Sie starb schon drei Jahre später mit gerade mal 24 Jahren. Und doch wird sie die „Mutter von Thüringen“ genannt. Vermutlich liegt ihr Einsatz und ihr christliches Engagement darin begründet, dass diese geistlichen Erneuerungsbewegungen im 13. Jahrhundert auch ihr Leben ganz stark bestimmt haben. Es waren vor allem Armutsbewegungen, die mit dem Besitzreichtum von Adeligen im Widerspruch lagen. Ich habe vom Herbst 1979 bis Sommer 1980 in Marburg studiert und bin fast jeden Tag an der Kirche vorbeigegangen, die ihren Namen trägt, die Elisabethenkirche. Ich hatte beim Vorbeigehen fast immer so ein besonders Hochgefühl für diese Frau, die sich gegen allen Widerständen ihrer Familie als eine besondere Persönlichkeit zeigte.

Heute hat die Hl. Elisabeth von Thüringen ihren Heiligengedenktag, denn sie ist am 19.11.1231 in Marburg beerdigt worden. Keine andere Geschichte bringt ihr Verhalten so klar zum Ausdruck wie das sog. Rosenwunder. „Als Elisabeth eines Tages in die Stadt (Eisenach) geht, um den Armen Brot zu geben, obwohl gerade dies ihr unter Strafe verboten ist, trifft sie die Mutter ihres Mannes, die ihre Barmherzigkeit nicht gutheißt und ihr eine Falle stellen will. Auf die Frage, was sie in dem Korb habe, den sie bei sich trägt, antwortet Elisabeth, es seien Rosen im Korb. Ihre Schwiegermutter bittet sie, das Tuch zu heben, um die wunderbaren Rosen sehen zu können. Widerwillig hebt Elisabeth das Tuch und im Korb sieht die Schwiegermutter nur Rosen“.

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