Wenn Corona will, steht (wieder überall) fast alles still, Update 327 vom 05.02.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Dedu, du alla

Heute ist der 05.02.2021. Heute vor genau sieben Jahren, am 05.02.2014 lautet der Wochenspruch: „Kommt und seht an die Werke Gottes, der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern“ (Psalm 66, 5).

Es ist ein Mittwoch. Ich halte während der ganzen Nacht die Hände von Simon. Tatsächlich bin ich immer wieder einmal auf dem Stuhl sitzend eingenickt. Dazwischen war ich hellwach und habe Lieder gesungen. Welches Lied wird Simon vielleicht sehr gut wahrnehmen?

Meine Erinnerungen gehen zurück an eine bestimmte Situation. Meine Frau und ich waren zu einer Feier in der Lebenshilfe Schönberg, in der er schulisch betreut wurde. Die Lehrerin erzählt uns, dass Simon beim Aufstellen des Overhead-Projektors immer dieselben Laute von sich gibt. Sie lauten so ähnlich wie „Dedu, du alla“. Wir schmunzeln und klären auf. Diese Laute sind seine Worte für „Jesus, du allein“. Simon konnte viele Jahre lang bei bestimmten Gottesdiensten gut mitgenommen werden. Vor allem dort, wo die Predigt keinen allzu großen Raum einnahm. So war er z.B. bei Lobpreisgottesdiensten dabei und bei Familiengottesdiensten, bei denen aber auch Lobpreislieder gesungen wurden. Irgendwann haben wir gemerkt, dass er bei diesem einfachen Lied „Jesus, du allein“ versucht hat mitzusingen mit seinen eigenen Worten: „Dedu du alla“. Irgendwie hatte er sich das so eingeprägt, dass dieses Lied oft auf einer Folie mit dem Overhead gesungen wurde. Und so hat er bei jedem Aufstellen einer Leinwand und des Overheads dieses Lied in seiner Sprache geträllert: „Dedu, du alla“.

Ich habe in dieser Nacht an diesem Mittwoch im Februar und auch in den kommenden Tagen dieses Lied so oft wie möglich ihm vorgesungen. Ich hatte die Hoffnung, dass er dadurch in seinem Unbewussten sich erinnert an bestimmte Situationen in seinem Leben. Heute fällt es mir nicht immer leicht, wenn dieses Lied gesungen wird oder wenn ich es höre. Dann kommen mir die Szenen dieser Woche hoch. „Jesus, du allein bist genug, du bist. Alles für mich. Jesus, öffne mein Herz, lass mich sehn und verstehn, dass du mich liebst. Komm und fülle mein Herz. Gib mir neu deinen Geist. Du bist unser Gott, der Heilung bringt, Licht des Lebens, das das Dunkle durchdringt“. Kaum ein anderes Lied bringt bis zum heutigen Tag zum Ausdruck, was ich damals gefühlt und was ich Simon in seinem Todeskampf gewünscht habe.

Mein Schwägerin Silvia Dörr spielt hier das Lied. „Jesus, du allein“.

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