Wenn Corona will, steht (für Genesene und Geimpfte) noch weniger still, Update 435 vom 24.05.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Der Brunnen

Endlich ist es wieder soweit. Der Brunnen in Oberkrumbach wurde erneuert. Er war im letzten Jahr so beschädigt worden, dass er kaum noch erkennbar war. Bei einem Gottesdienst ist mir aufgefallen, dass er wieder sehr schön saniert worden ist. In Oberkrumbach markiert dieses „Bauwerk“ den Mittelpunkt des Dorfes. Am Ende des letzten Jahres habe ich das besonders erfahren und auch darüber geschrieben. Denn dort trafen sich die Menschen zu den Gottesdiensten am 3. Advent (Familiengottesdienst), am Hl. Abend und zum Jahresschlussgottesdienst. Die Verantwortlichen überlegen zurzeit, ob das nicht auch Tradition werden könnte. Ich bin gespannt, zu welchem Ergebnis die Einwohner und der Kirchenvorstand gelangen. Aber vielleicht finden in Zukunft an diesem Ort öfters mal Gottesdienste statt. Vor genau 10 Jahren zum 1000-jährigen Fest des Dorfes saßen etwa 250 Menschen auf Bänken um den Brunnen, um mit dem damaligen Regionalbischof Stefan Ark Nitsche dieses Fest gebührend mit Gott zu feiern.

In der Bibel spielt der „Brunnen“ eine sehr große Rolle. Es sprengt den Rahmen, einzelne Bibelstellen aufzuzählen. Soviel hier an dieser Stelle, denn immerhin war der zerstörte Brunnen in der Dorfmitte durchaus auch eine Krisensituation für die Oberkrumbächer mitten in der Coronakrise. Brunnen ist natürlich ein Ort für „Wasser, Quelle, lebendiges Leben“. Es ist auch ein Ort, an dem Gott in besonderer Art und Weise Menschen in Krisensituationen anspricht. Ich denke an Hagar. Sie wurde von Sarah in die Wüste verstoßen, als diese selbst ein Kind bekam. Aber Gott hat sich ihr angenommen und seine Nähe verheißen. „Und sie nannte den Namen des HERRN, der mit ihr redete: Du bist ein Gott, der mich sieht. Denn sie sprach: Gewiss hat ich hier hinter dem hergesehen; der mich angesehen hat. Darum nannte man den Brunnen „Brunnen des Lebendigen, der mich sieht“ (1. Mose 16, 13 – 14). An einem Brunnen sieht der Knecht von Abraham zum ersten Mal Rebekka und wählt sie aus als Frau für Isaak (1. Mose 24). So ist der Brunnen auch ein Ort der Liebe. In diesem Kapitel wird auch dieses Bild erwähnt, dass Feinde einen Brunnen zuschütten wollen. Denn „kein Wasser haben“ bedeutete kraftlos und hilflos zu sein. „Da zog Isaak von dannen und schlug seine Zelte auf im Grunde von Gerar und wohnte da und ließ die Wasserbrunnen wieder aufgraben, die sie zur Zeit Abrahams, seines Vaters, gegraben hatten und die die Philister verstopft hatten nach Abrahams Tod…“ (1. Mose 26, 17 – 18).

So ist „Brunnen“ auch ein Synonym dafür, nicht gleich aufzugeben, wenn geistliche Prozesse immer wieder angegriffen werden. Dafür brauche ich dann aber auch das Wissen, dass bestimmte geistliche Wege auch von Gott sind. Vielleicht am Bekanntestes ist auch die Geschichte aus Johannes 4. Jesus trifft die Samariterin am Jakobsbrunnen in Sychar. Im Gespräch mit der Frau wird deutlich, dass beide zuerst von einem verschiedenen „Wasser“ reden. Jesus meint lebendiges Wasser, die Frau meint reales Wasser zum Trinken. Schließich weist Jesus die Frau darauf hin, dass die Kraft des Hl. Geistes mit „lebendigen Wasser“ identifiziert werden kann. Dieses 4. Kapitel aus dem Johannesevangelium gibt deshalb grundlegende Aussagen wieder, wie Jesus bei einem Menschen wirken kann und durch die Kraft des Hl. Geistes handelt. Und praktisch jedes Mal, wenn ich an dem Dorfbrunnen in Oberkrumbach vorbeifahre oder vorbeilaufe, habe ich die Worte Jesus aus dem Johannesevangelium im Kopf: „Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten“ (Johannes 4, 24).

Der erneuerte Dorfbrunnen in der Mitte von Oberkrumbach.

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