Wenn Corona will, steht (fast) alles still, Update 29 vom 13.04.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Herr, ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach kommst. Aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund„. Das sind die Worte am Ende der Liturgie des Hl. Abendmahles direkt vor der Austeilung. Das würde ich mir jetzt auch wünschen: dass Gott nur ein einziges Wort spricht und der ganze Coronaspuk wäre vorbei. Aber so einfach geht es nicht (immer). Ich habe beides schon erlebt. Da dauert etwas sehr sehr lange bis Gott eingreift und dann ist es anders gekommen als ich mir das gewünscht habe. Aber ich habe auch schon erlebt, dass Gott unmittelbar und schnell eingegriffen hat. Dieses Wort aus der Abendmahlsliturgie stammt aus der biblischen Geschichte vom „Hauptmann zu Kapernaum“ (Matthäus 8, 5 – 13). Als römischer Hauptmann war es ihm untersagt, mit einem Juden zu sprechen. Das galt auch umgekehrt. Aber weil sein Knecht so krank war, nimmt er allen Mut zusammen, verstößt gegen alle Konventionen und Vorschriften und bittet Jesus um Hilfe. Jesus erfüllt ihm den Wunsch und der Knecht „wurde gesund zu derselben Stunde“ (Matthäus 8, 13). Das erinnert mich an eine Ostergeschichte, die mein Innerstes in einer besonderen Weise berührt. Sie steht in Johannes 20, 11 – 18. Maria von Magdala steht vor dem Grab von Jesus und weint. Im Grab sieht sie zwei Engel und sie fragt die beiden, wo sie „meinen Herrn weggenommen“ haben. Sie dreht sich um und sieht einen Mann. Der Unbekannte fragt, warum sie weint. Maria meint, es sei der Gärtner und antwortet: „Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir, wo du ihn hingelegt hast, dann will ich ihn holen„. Und dann spricht dieser Unbekannte ein einziges Wort: „Maria„. Dann werden ihr die Augen geöffnet und sie erkennt, dass es Jesus ist. Dieses einzige Wort war die Nennung ihres Namens. Die Schüler in der Grundschule staunen darüber, dass nur der Name die Augen öffnet und die enge Beziehung von Jesus zu ihr wieder hergestellt wird. Mich erinnert das auch an eine Bibelstelle, die oft von Eltern für die Taufe ihres Kindes und von Jugendlichen zu ihrer Konfirmation ausgewählt wird: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“ (Jesaja 43, 1b). Die Beziehung zu Jesus wird hergestellt, weil ich höre, wie Jesus meinen Namen ruft. Maria wird mitten in ihrer Trauer angesprochen und sie wird fähig, diesen Jesus als den Auferstandenen zu erkennen. Das führt dazu, dass sie neu das Leben beginnen kann und nicht in der Trauer stecken bleibt.

Meine Frau und ich hatten in den Tagen vor dem Palmsonntag ein Seminar bei der Christusbruderschaft in Selbitz geplant. Es ist wegen der Coronakrise ausgefallen. Die beiden Referentinnen haben uns die Texte zugeschickt, die an den Tagen uns begleiten sollten. Ein Text war ein Hinführung zu dieser Ostergeschichte. Eine Referentin wäre Beate Thiessen gewesen, die der/die ein/e oder andere Leser/-in kennen wird, weil sie bis vor einem Jahr in Hersbruck gelebt hat. Sie nimmt Bezug auf die Schriftmeditation nach Ignatius von Loyola und gibt Impulse. Ich zitiere daraus: „Ich stelle mir die Szene dort vor dem Grab ganz anschaulich vor: die weinende Maria, die Engel im Grab, die Umgebung, den ganzen „Schauplatz“ des Geschehens. Ich tue das mit all meinen Sinnen: Was sehe ich, was höre ich, was rieche ich? Vielleicht finde ich auch selber einen Platz darin? Ich höre und sehe, was geschieht und wie die beiden miteinander im Gespräch sind. Ich bin mit hineingenommen, erlebe mit…Was regt sich dabei in mir? Ich sehe und höre ihrem Gespräch weiter zu. Wieder stelle ich mir die Situation ganz anschaulich vor. Ich schaue zu, erlebe mit und lass das auf mich wirken, was Jesus Maria sagt. Auch versuche ich zu erspüren, welche Wirkung seine Worte auf mich haben“. Beate Thiessen hat mir erlaubt, Teile ihrer Texte hier abzudrucken. Ich danke herzlich dafür und verweise auf ihre Homepage, auf der sich neben vielen anderen Impulse auch diese Meditation zum Thema findet unter www.beate-thiessen.de. Für mich ist insgesamt interessant, wie bei diesem Text eine Brücke vom Alten Testament (Prophet Jesaja) zum Neuen Testament (Evangelisten Matthäus und Johannes) geschlagen wird. Und wie mitten in den Krisen, Ängsten, Trauer und Hoffnungen dieser verschiedener Menschen die Gegenwart von Gott und Jesus erkannt wird. Denn am Ende dieser Ostergeschichte heißt es: „Maria von Magdala geht und verkündigt den Jüngern: Ich habe den Herrn gesehen, und das hat er zu mir gesagt“ (Jo 20, 18).

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