Wenn Corona will, steht (noch) vieles still, Update 80 vom 03.06.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Da steht er nun. Auf einem Hirtenstock gebeugt schaut er in die Gruppe der Schafe. Er ist 80 Jahre alt (deshalb beim Update 80) und sein Leben hat er scheinbar hinter sich gebracht. Was hat er noch zu erwarten? Weil alles ruhig ist, kreisen seine Gedanken zu vielen Lebensstationen zurück. Hat er alles richtig gemacht? Hätte er in bestimmten Situationen anders handeln sollen? Hätte er eine Karriere haben können? Hat er seine Berufung verfehlt? Gut, er konnte eine Familie gründen und Menschen hat er Lebenssicherheit gegeben. War es das schon? In diesem Alter – was sollte noch kommen?

Er schaut auf und stutzt. Irgendetwas ist heute anders. Ja, da vorne blitzt etwas auf. „Habe ich noch nie hier gesehen. Muss ich mir mal näher anschauen“ – so denkt er sich. Weil die Schafe ruhig sind, traut er sich einige Schritte in Richtung dieser Helligkeit zu machen. Er erkennt, dass es sich um ein Feuer handelt. Aber es brennen immer wieder in der Wüste solche Sträuche bei starker Sonneneinstrahlung. Er versinkt wieder in seinen Gedanken und schaut erst nach einer Weile wieder auf. „Das gibt es doch nicht. Das Feuer ist immer noch da“.

Sein Interesse wächst. Er macht etwas, was für einen Hirten nicht sein darf. Er verlässt die Herde und geht auf das Feuer zu. Diese besondere Erscheinung gilt seine ganze Aufmerksamkeit. „Es wird mit der Herde schon nichts sein“ – denkt er noch. Das Feuer brennt und brennt. Als er schon ziemlich nahe getreten ist, hört er eine Stimme und sieht im Feuer einen Engel. Es ist die Stunde zu seiner Berufung. „Mose! Mose! Tritt nicht herzu, zieh deine Schuhe von deinen Füßen; denn der Ort, darauf du stehst, ist heiliges Land! Ich bin der Gott, deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs“.

Der Mann ist Mose. Er erkennt sofort, dass jetzt in diesem Augenblick die Stimme Gottes direkt zu ihm spricht. Deshalb verhüllt er sein Angesicht vor der besonderen Gegenwart Gottes. „Ich habe das Elend meines Volks in Ägypten gesehen…Ich bin herniedergefahren, dass ich sie errette aus der Ägypter Hand und sie herausführe aus diesem Land in ein gutes und weites Land, in eine Land, darin Milch und Honig fließt…so gehe du nun hin, ich will dich zum Pharao senden, damit du mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten führst“.

Mit 80 Jahren bekommt Mose diesen Auftrag. Er hatte mit seinen Lebenszielen vielleicht schon abgeschlossen. Er hatte sich damit abgefunden, dass er statt einer Laufbahn als Prinz beim ägyptischen König „nur“ ein Hirte geworden war. Aber er hat im entscheidenden Moment die Stimme Gottes gehört und ein Ja gefunden. Und darauf kommt es an, egal wie alt ich bin und welchen Beruf ich gelernt oder ob ich mit Lebenszielen schon abgeschlossen habe. Vielleicht hat Gott immer noch eine neue Berufung für Dich. Und dabei gilt es durchaus eigene Widerstände zu überwinden. Das war auch bei Mose der Fall. Und diese besondere Geschichte ist im 2. Buch Mose im 3. Kapitel sehr schön nachzulesen. Aber dazu mehr beim morgigen Update.

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