Wenn Corona will, steht (noch) vieles still, Update 98 vom 21.06.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Heute wäre in dem Dorf Oberkrumbach ein besonderer Tag. Heute würden die Menschen dort das diesjährige Kirchweihfest feiern. Es findet immer statt an dem Sonntag, der dem Johannistag (24.06.) am nächsten liegt. Sie wird also frühestens am 27.06. eines Jahres. Oberkrumbach gehört zu den Ortschaften, die Kaiser Heinrich II. am 2. Juli 1011 dem kurz vorher neu gegründeten Bistum Bamberg übergab. Vor neun Jahren wurde das 1000-jährige Gründungsfest mit einem Festgottesdienst und einem Dorffest gefeiert.

Das Dorf selbst hatte eine sehr wechselvolle Geschichte und wurde immer wieder von einem „Herrn“ zum anderen gegeben. Im Zuge des Landshuter Erbfolgekrieges 1504 sicherte sich Nürnberg die Herrschaft im gesamten Pegnitzraum und verleibte sich auch das Oberkrumbacher Gebiet ein. Das hatte zur Folge, dass dieses Gebiet 1525 evangelisch wurde, weil die Stadt Nürnberg zu den ersten Städten in Deutschland gehörte, die den lutherischen Glauben übernahmen. Noch heute ist deshalb dieses Gebiet überwiegend evangelisch.

Im Laufe der Zeit erlebte dieses Dorf viele gute und schlechte Zeiten. Ich erinnere mich an mein zweites Kommen nach Altensittenbach im Juni 1996. Ich hatte kurz vorher die Nachricht erhalten, dass ich die Pfarrstelle Altensittenbach m. Oberkrumbach ab dem 01.10.1996 übertragen bekommen werde. Ein Kirchenvorsteher aus Altensittenbach meinte: „Als Pfarrer für Oberkrumbach zuständig zu sein, ist ein Privileg. Das ist das schönst gelegene Dorf in Mittelfranken“. Es hat dann noch einmal zwei Wochen gedauert bis ich in das Dorf gefahren bin. Mein Eindruck war: Der Mann hat Recht. Ich fahre die Straße Richtung Kirchensittenbach, biege links ab und nach Unterkrumbach liegt ein Tal vor mir, wie ich es nur von Fotos von Urlaubsgebieten her kannte. Eine einzige Straße führt ins Dorf. Nur wer die Gegend genau kennt, benutzt im Sommer die Straße „über den Berg“ Richtung Schnaittach, die aber eigentlich nur für landwirtschaftliche Fahrzeuge erlaubt ist. In mir war damals schon der Gedanke: Das ist wie im Kleinwalsertal. Romantisch gelegen, mit Worten kaum zu beschreiben, und nur für in Oberkrumbach aufgewachsene Menschen wirklich nachzuvollziehen. Ein Mann hat mir mal gesagt: „Einmal Oberkrumbach, immer Oberkrumbach“.

Die Denkweise und die Gefühle der Menschen für ihr Dorf sind sehr intensiv. Aber ich will keine Nostalgie betreiben. Es gibt dieselben Probleme wie in anderen kleinen Dörfern. Junge Menschen wandern ab, die Einwohnerzahl lässt nach und die Menschen haben miteinander auch immer wieder Probleme wie in einer gute Ehe. Aber dass ich jetzt fast 24 Jahren auf dieser Pfarrstelle bin, hat auch mit diesem kleinen Dorf zu tun, das mich in vielem an mein Heimatdorf erinnert, in dem ich aufgewachsen bin.

Ein großes Problem wird aber sicherlich der Erhalt der Margaretenkirche sein. Ob so wenige Menschen auf Dauer diese besonders schmucke Kirche erhalten können, weiß ich nicht. Es wird viele Anstrengungen bedeuten. Aber die Menschen lieben ihre Kirche, auch wenn der Kirchenbesuch schon sichtbar nachgelassen hat. Aber letztlich zählt für mich ein Wort, das der Lehrtext aus den Herrnhuter Losungen für den 2. Juli 2011 genannt hat und damit genau 1000 Jahre nach der ersten Erwähnung. „Weil wir solche Hoffnung haben, sind wir voll großer Zuversicht“. (2. Korintherbrief 3, 12). Und was es mit der Margarete als Namensgeber für die Margaretenkirche auf sich hat, davon mal mehr in einem anderen Update.

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