Wenn Corona will, steht (noch) vieles still, Update 101 vom 24.06.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

1995 mussten wir wieder einmal ein neues Auto kaufen. Das alte Gefährt war 11 Jahre alt und es hätte eine größere Reparatur gegeben. Weil ich in Alerheim mindestens einmal in der Woche nach Donauwörth zur Wirtschaftsschule fahren musste, kam ich damals auf ca. 25000 KM/Jahr. Ich habe die Kosten kurz überschlagen und gedacht: Diesmal lohnt sich ein Diesel. Gesagt – getan. Auch in der Werbung und bei den Umweltbilanzen wurden die Diesel im Gegensatz zu heute über den Klee gelobt. Der Autoverkäufer meinte noch: „Mit den Abgasen können sie einen Menschen wiederbeleben“. Gut. Das habe ich nie ausprobiert. Ein wenig schmunzeln muss ich aber doch, wenn ich an die gegenwärtige Dieseldebatte denke. Bei einem Neuwagen ist es ja so, dass es eine Garantiegewährleistung gibt. Die Autowerkstatt lag nur 4 km entfernt und ich bin im ersten Jahr immer mal dort hingefahren.

Eines Tages sind mir dort rege Bautätigkeiten aufgefallen. Ich spreche den Besitzer darauf an. Er meinte: „Ja Herr Metzger. Stillstand ist Rückschritt. Es muss immer vorwärts und aufwärts gehen“. An dieses Zitat habe ich mich in den letzten Wochen bei den Diskussionen um die Zukunft der Wirtschaft oft erinnert. Selbst der Bundespräsident hat das in seiner Osteransprache aufgenommen und gemeint, dass dieses Denken jetzt der Vergangenheit angehören soll und muss. Ich bin gespannt, ob seine Worte gehört werden.

Meine Gedanken gehen bei diesem Themenkreis zu einem besonderen Mann in der Bibel: Johannes der Täufer. Seine Mutter war die Tante von Maria und dadurch war er auch mit Jesus verwandt. Er war der Bußprediger in der Wüste von Judäa: „Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen“ (Matthäus 3, 1). Er lebte also gleichzeitig mit Jesus und ihre Botschaften waren teilweise gleich gelagert. Wie war das Verhältnis zueinander? Jesus hat in Hochachtung von ihm gesprochen. „Unter allen, die von einer Frau geboren sind, ist keiner aufgetreten, der größer ist als Johannes der Täufer“ (Matthäus 11, 1a). Jesus hat sich von ihm taufen lassen. Johannes selbst hat von Jesus gesprochen mit dem Satz. „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen“ (Johannes 3, 30).

Das ist interessant für mich, wie er seine eigene Berufung zu Jesus einschätzt und das mit einem Vergleich aus der Wirtschaft benennt. Zu erkennen, dass es nicht nur um „Wachstum“ geht, sondern dass eine Zeit kommen kann, an der ich mich zurücknehmen kann und muss. Dass es eine Zeit geben kann, an der „weniger“ meine neue Aufgabe und Berufung ist. Vielleicht auch, dass ich Verantwortung und Leiterschaft in einem Betrieb, in einem Wirtschaftszweig oder in meiner Lebensplanung akzeptieren kann und muss.

Das gilt auch für christliche Gemeinden. Auch dort wird „Wachstum“ leicht mit „mehr Gemeindemitglieder, mehr Gottesdienstbesucher, mehr Kreise“ beschrieben. Aber stimmt das? Ist das quantitative Aufzählen wirklich ein Zeichen von Wachstum? Jedenfalls ist dieser Ausspruch des Täufers der Grund, warum heute der Johannistag begangen wird. Der heutige 24.06. liegt genau in der Mitte zum Hl. Abend. Die Sonne nimmt jetzt wieder ab, so wie ab dem 24.12. die Tage wieder länger werden. Seit ein paar Jahren lebt der Brauch der „Johannisfeuer“ wieder auf. Dann werden auch sog. „Feuerreden“ gehalten. Leider wird dann nur ganz selten angesprochen, warum es an diesem Tag „eigentlich“ geht: es ist der Hinweis darauf, dass Jesus das Licht der Welt ist. Und dass Johannes der Täufer dafür steht, dass er auf dieses Licht der Welt vorbereitet. Deshalb dürfte bei keiner Rede am 24.06. der Hinweis auf Jesus fehlen. „Jesus Christus spricht. „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben“ (Johannes 8, 12).

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