Wenn Corona will, steht (noch mehr) still, Update 236 vom 06.11.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Die Erde so groß wie eine Nuss, äh wie eine Erbse

Am 06.10.2020 fahre ich mit dem Fahrrad zur Grundschule in Altensittenbach. Der Religionsunterricht in der dritten und vierten Stunde liegt vor mir. In Gedanken gehe ich meinen Plan durch. Ich hatte ein Arbeitsblatt vorbereitet, das den Abschied Jesu von seinen Jüngern zum Inhalt hat. 40 Tage nach seiner Auferstehung versammelte er die verbliebenen Elf am Ölberg und verheißt ihnen die Kraft des Hl. Geistes. Dann nahm ihn eine Wolke auf und er war vor ihnen entschwunden. „Wie könnt Ihr Euch das vorstellen“ war meine nicht ganz leichte Frage. Aber ich war überrascht: „Nicht so wie eine Rakete. Jesus verschwand in einer Wolke und war dann in der unsichtbaren Welt bei seinem Vater“. Für eine Neunjährige war das eine sehr gute Antwort. Sie hatte offenbar in der Stunde vorher gut aufgepasst.

Was dann folgte, war aber nicht geplant. Wir kamen auf den Unterschied von „sichtbarer Welt“ und „unsichtbarer Welt“ zu sprechen. Den Unterschied von „sky“ und „heaven“ habe ich erklärt. Plötzlich waren wir beim Thema: „Universum, Urknall und schwarze Löcher“. Es gab lange Diskussionen. Ein Schüler meldete sich mit der Frage, warum es Farben gibt, wo doch das Universum schwarz ist. Also gab es von mir noch einen kleinen Abstecher in Richtung „Spektralfarben, Lichtbrechung, Regenbogen“. Ich habe mich als Absolvent eines Physikleistungskurses in meinem Element gefühlt. Albert Einstein habe ich auch genannt und dass er der Entdecker der Relativitätstheorie ist.

Schließlich kamen wir auf die Nobelpreise zu sprechen und ich habe die Schüler/-innen darüber informiert, dass der erste Träger dieser Auszeichnung im Fach Physik mit Conrad Röntgen ein deutscher Wissenschaftler an der Universität in Würzburg war. Ich habe noch den Zusatz gemacht, dass vor allem am Anfang der Vergabe der Nobelpreise viele deutsche Forscher ausgezeichnet wurden. Am Ende meinte ein Schüler, dass solch ein Religionsunterricht wirklich sehr spannend ist. Tatsächlich versuche ich zu vermitteln, dass Glaube an Gott mit all diesen Dingen des Lebens zu tun hat und dass ein Pfarrer „nicht nur die Bibel liest und kennt“.

Nach diesen beiden Stunden in Religion fahre ich mit meinem Fahrrad heim. Im Pfarramt gibt es wichtige Gespräche mit der Pfarramtssekretärin. Dann geht mein Blick kurz in die Nachrichten. Ich staune: Der deutsche Wissenschaftler Reinhard Genzel hat den Nobelpreis bekommen für die Forschung zu den schwarzen Löchern. Na, wenn das keine Punktlandung war!!!! Und welch ein Glück für mich! Ich hatte den Schüler/-innen erklärt, dass sie sich das mit den schwarzen Löchern vorstellen müssen als würde sich die Erde sich zusammen ziehen zu einer Größe wie eine  Nuss. In den Nachrichten wurde es erklärt mit dem Bild der Erbse! Aber dass die gesamte Erde so klein wird wie eine Erbse oder eine Nuss, spielt dann auch keine Rolle mehr. Das ist nur ein anderes Bild dafür. Irgendwie war ich dann doch zufrieden, so aktuell gewesen zu sein. Vor allem weil übermorgen ein besonderer Tag für einen deutschen Nobelpreisträger ist.

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