Wenn Corona will, steht (für Genesene und Geimpfte) noch weniger still, Update 432 vom 21.05.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Vor mir liegt die Hersbrucker Zeitung (Regionalausgabe der Nürnberger Nachrichten) vom 04.02.2021. Auf der Seite 23 lese ich den erstaunlichen Bericht des Virologen Hendrik Streeck. Er denkt in großen historischen Zusammenhängen und sagt: „Manchmal kommt mir die Zeit vor wie die vierte Kränkung der Menschheit. Sigmund Freud hat das formuliert: Die ersten Kränkungen waren, dass der Mensch doch nicht im Mittelpunkt des Universums steht, dass wir irgendwie vom Affen abstammen und dass wir triebgesteuert sind“. Und dann bringt er diese Sätze von Sigmund Freud in den Zusammenhang der Coronakrise. „Gerade kränkt uns, dass wir als technologisierte Gesellschaft nicht Herr über dieses kleine Virus werden. Die notwendigen Souveränität, damit umzugehen, hätten die Menschen bislang noch nicht erlernt“.

Diese Sätze beeindrucken mich und ich denke: „Da war doch was in der Bibel, das ich damit vergleichen kann. Das kommt mir doch irgendwie in einem anderen Zusammenhang bekannt vor“. Ja, natürlich. Es ist die Geschichte vom sog. „Turmbau zu Babylon“. Im 11. Kapitel des ersten Mosebuches ist sie zu finden. Sie gehört wohl zu den bekanntesten Geschichten aus dem Alten Testament. Sie wird oft zitiert, wenn es um die Sehnsucht des Menschen nah Allmacht geht. „Lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, dass wir uns einen Namen machen…“ (V. 4b). Interessant ist die Motivation zu diesem monumentalen Bauwerk. Die Menschen wollen sich damit einen Namen machen. Sie wollen damit prahlen, was ihnen alles gelingen kann. Heute würden wir sagen: Sie wollen zeigen, was die wissenschaftliche Erkenntnisse alles erreichen kann. Dann wird vom HERRN berichtet wie er dieses Vorhaben kommentiert: „…nun wird ihnen nichts mehr verwehrt werden können von allem, was sie sich vorgenommen haben zu tun. Wohlauf, lasst uns herniederfahren und dort ihre Sprache verwirren, dass keiner des andern Sprache verstehe! (V. 6b – 7).“

Der Mensch hat Allmachtphantasien und diese Coronakrise zeigt, dass diese oft genug gegen Gott gerichtet sind. Ich sage oft zu dieser Geschichte: Die Menschen bauten sich einen Turm, nicht um zu Gott zu kommen, sondern um an Gott heranzukommen und sich über ihn setzen zu können. Das wird aber nicht gelingen. Und ich würde mich freuen, wenn viele Menschen und besonders Wissenschaftler das auch ohne solch einer Krise erkennen würden, dass Gott immer noch größer ist als jeder menschliche Verstand. Kein Wunder, dass der Text aus dem 11. Kapitel des ersten Mosebuches im Rahmen des Pfingstfestes als Lesung bzw. als Predigttext zugeordnet ist. Denn bei den Überlegungen zur Kraft des Hl. Geistes geht es immer auch darum, dass ich als Mensch das Handeln Gottes erkenne und anerkenne.

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