Wenn Corona will, steht (noch) manches still, Update 154 vom 16.08.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Kirchweih unplugged

Heute ist für Altensittenbach ein besonderer Tag. Sie feiern das Kirchweihfest. In diesem Jahr wird es natürlich in „abgespeckter“ Form gefeiert. Gestern Abend konnten sich nur 200 Leute aus dem Kirchweihverein nach Anmeldung in der Fuchsau treffen. Das schreiben die Hygiene- und Sicherheitsvorschriften vor. Aber immerhin: so war zumindest ein kleines „Feeling“ von Kirchweih zu erspüren.

Als Pfarrer erlebe ich Kirchweihfeste ganz unterschiedlich. Hier in der Hersbrucker Region versuchen die einzelnen Dörfer so gut es geht, sich an den Sonntagen abzuwechseln. Das gelingt ganz gut, wenn auch nicht immer. Gleichzeitig mit Altensittenbach feiert z.B. auch Happurg dieses Fest. Natürlich habe ich immer wieder eine Diskussion mit Menschen, welchen Sinn solch eine Kirchweih hat. Spielt da die Kirche wirklich noch die Rolle oder ist sie nur Namensgebung für eine große Dorffeier? In Hessen z.B. wird dazu „Kirmes“ gesagt und in diesem Wort ist das Wort „Kirche“ kaum noch zu erkennen. Wer solche Fragen stellt vergisst leicht, dass diese Trennung von „Kirche“ und „Welt“ wohl nicht unbedingt biblisch zu nennen ist. Kirche soll dort sein, wo Menschen leben, arbeiten und feiern. Und dafür ist das Kirchweihfest ein sehr gutes Beispiel.

Ursprünglich sollte eine Kirchweih an den Heiligen und Namenspatron der Kirche erinnern. Der Thomastag ist am 21.12. und da lässt sich es eben schlecht feiern. Wann soll dann ein guter Termin sein? In vielen Gemeinden spielt die ursprünglich landwirtschaftlich geprägte Struktur eine große Rolle. Das Hersbrucker Land war weltweit um 1900 das Zentrum des Hopfenanbaus. Die Ernte begann Ende August. Vorher wurde noch einmal kräftig gefeiert mit dem Kirchweihfest. Deshalb ballen sich vorher die einzelnen Kirchweihen.

Hopfen gibt es auch in Altensittenbach keinen mehr, aber der Termin für das Kirchweihfest ist geblieben: der dritte Sonntag im August. Und das, obwohl zu dieser Zeit viele im Urlaub sind. Die „eingefleischten“ Kirchweihfans bleiben natürlich zu Hause. Bis vor wenigen Jahren wurde direkt an der Hauptstraße der mächtige Kirchweihbaum aufgestellt. Das war nicht immer ungefährlich, weil der Straßenverkehr unmittelbar betroffen war. Ich habe oft mit unserem Sohn Simon das Aufstellen des Baumes zugeschaut und bewundert, wie er hochgezogen worden ist.

Dass der Kirchweihgottesdienst eben doch eine Rolle spielt, habe ich im Zusammenhang mit der Gründung des Kirchweihvereins erfahren. Im Gespräch wurde der Vorschlag gemacht, den Festgottesdienst im Freien auf dem Gelände vor der Thomaskirche zu feiern. Das wird sehr gut angenommen. Und in diesem Jahr hatte ich im April mitten in der Coronapandemie ein Gespräch mit dem Vereinsvorsitzenden. Das Motto lautete: „Der Gottesdienst findet auf alle Fälle statt, egal ob und wie wir sonst feiern können. Neuhochdeutsch würde man sagen: „Kirchweifest unplugged“. Und das ist vielleicht gar nicht einmal so schlecht, ein Jahr lang ruhig und konzentriert dieses Fest einmal so zu feiern und zu überlegen, warum es überhaupt stattfindet. Und zum Thema „Kirchweihverein“ kann ich noch mehr sagen. Aber dazu dann mehr im kommenden Jahr 2021. „Wie lieb sind mir deine Wohnungen, HERR Zebaoth! Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des HERRN; mein Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott. Wohl denen, die in deinem Hause wohnen, die loben dich immerdar. Denn ein Tag in deinen Vorhöfen ist besser als sonst tausend. Denn Gott der HERR ist Sonne und Schild; der HERR gibt Gnade und Ehre. Er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen“ (Psalm 84).

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