Wenn Corona will, steht (wieder überall) fast alles still, Update 321 vom 30.01.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Wer ist zu bedauern?

Heute erzähle ich eine Weisheitsgeschichte, die vermutlich schon einige Leser/-innen kennen. Dass ich diese hier zum Lesen niederschreibe, hat einen persönlichen Grund. Aber zuerst einmal die Geschichte:

Ein Bauer hatte einen Sohn und ein Pferd auf einer Weide. Es war das schönste Pferd im ganzen Land und alle Leute lobten den Mann und seinen Sohn für ihr wunderschönes Pferd und bemerkten, dass sie wirklich sehr viel Glück hatte. Doch der Bauer war klug und weise. Stets war seine Antwort: „Ob gut, ob schlecht, wer weiß das schon.“

Eines Tages büchste das Pferd aus und war fort. Die Leute kamen zum Bauer und sagten: „Oh du armer Mann, du hattest das schönste Pferd und nun ist es weg. Wie bist du arm dran!“ Doch der Bauer sprach weise und klug: „Ob gut, ob schlecht, wer weiß das schon.“

So zog der Sohn aus, um nach dem Pferd Ausschau zu halten. Nach langer Suche fand er es endlich in einer großen Gruppe von edlen Wildpferden. Als er sein Pferd einfing, folgten alle Wildpferde bis nach Hause. Von da an hatten der Mann und sein Sohn viele teure und edle Wildpferde.

Die Leute aus der Umgebung kamen erneut und sprachen voller Bewunderung: „Oh du glücklicher Mann. Nun hast du einen Stall voll von edlen und teuren Pferden. Wieviel Glück du doch hast!“ Doch der Mann, weise und klug antwortete stets: „Ob gut, ob schlecht, wer weiß das schon.“

Als der Sohn des Mannes eines Tages eines der Wildpferde einritt, stürzte er und brach sich das Bein. Wieder kamen die Leute und meinten: „Oh du armer Mann, dein Sohn ist so schwer gestürzt, was für ein großes Pech du doch hast!“ Der Bauer antwortete: „Ob gut, ob schlecht, wer weiß das schon.“

Einige Tage später brach ein Krieg übers Land und es kam die Nachricht des Königs, dass alle jungen Männer in den Krieg ziehen mussten. Alle, außer der der Sohn des Bauern, der sich das Bein gebrochen hatte…

Heute ist der 30.1.2021. Heute vor genau 88 Jahren ist Adolf Hitler an die Macht gekommen. Das sog. „Weimarer Reich“ war unfähig, die Demokratie nach dem ersten Weltkrieg so zu gestalten, dass es den Menschen Halt und Sicherheit gegeben hat. Und so nahm das unheilvolle Schicksal seinen Lauf.

Wenige Jahre vorher lag mein Urgroßvater mit gut 50 Jahren auf dem Sterbebett. Er ist dem Tod sehenden Auges entgegen gegangen. Kurz vor seinem Tod hat er alle seine engsten Verwandten zum Bett kommen lassen. Er wurde bedauert und man hat sein baldiges Sterben kommentiert mit den Worten: „Dein frühes Sterben ist zu bedauern. Du hättest noch so viel machen können. Wir hätten Dich gerne noch hier behalten“. Aber mein Urgroßvater denkt eine kurze Zeit nach und sagt dann: „Ihr müsst nicht mich bedauern. Ich bedauere euch. Ihr werdet es erleben, dass der Hitler doch eines Tages an die Macht kommen wird. Und dann wird Krieg und eine schlimme Zeit kommen“. Er hatte – leider – Recht. Ich bin gespannt, wie Menschen diese Zeit der Coronakrise im Rückgriff kommentieren werden. Ich hoffe, dass viele daraus lernen werden.

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