Archiv des Autors: Pfr. Gerhard Metzger

Wenn Corona will, steht (fast) alles still, Update 30 vom 14.04.2020

Tägliche Gedanken in einer schwierigen Zeit, heute von Christl Schäfer-Geiger

„Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar….“
Wer kennt es nicht, das Lied von Dietrich Bonhoeffer, das schon viele Menschen durch die schwierigsten Situationen im Leben hindurch getragen hat. Er hat es im Dezember 1944 aus dem Gestapogefängnis als Weihnachtsgruß an seine Verlobte Maria von Wedemeyergeschickt. Gesehen hat er sie danach nicht wieder. Gerade einmal 39 Jahre alt war er, als man ihn vor 75 Jahren, am 9. April 1945 – so kurz bevor der ganze Spuk des Zweiten Weltkriegs endlich ein Ende hatte – auf grausamste Wiese im KZ Flossenbürg gehenkt hat. Wenn die Nationalsozialisten eines konnten, dann war es Menschen zu quälen, ihnen körperliche und seelische Schmerzen zuzufügen. Mit ihm starben die anderen, noch am Leben gebliebenen „Verschwörer“ des Attentats vom 20 Juli 1944, angeordnet auf obersten Befehl eines größenwahnsinnigen Machthabers. 

Welch zarte Worte schreibt Bonhoeffer seiner Verlobten und wie stark sind sie gleichzeitig. Über allem steht sein unerschrockener Glaube an unseren Gott, obwohl er ahnt, was auf ihn zukommt. Zwischen den Zeilen schwingen alle menschlichen Sehnsüchte und Ängste mit, Hoffnung flammt auf, Dunkelheit macht sich breit. Und in all diesen Emotionen flammt das Licht des ewigen Gottes, der in einer Welt voller Unsicherheit als einziger unseren aufgeschreckten Seelen einen Halt geben kann. 

„Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“
Auch heute und morgen und übermorgen und…….

Mein Mann, Thomas Geiger, hat mit seinem Kollegen, Jörg Hertle, das KZ in Flossenbürg besucht. Für den Straßenkreuzer, das Nürnberger Sozialmagazin, haben sie eine Reportage über das KZ gemacht, in dem Pastor Dietrich Bonhoeffer starb. 
Wer die Reportage und die Gedanken Thomas Geigers dazu gerne lesen möchte, findet sie hier: http://geiger-foto.de/?p=1

Wenn Corona will, steht (fast) alles still, Update 29 vom 13.04.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Herr, ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach kommst. Aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund„. Das sind die Worte am Ende der Liturgie des Hl. Abendmahles direkt vor der Austeilung. Das würde ich mir jetzt auch wünschen: dass Gott nur ein einziges Wort spricht und der ganze Coronaspuk wäre vorbei. Aber so einfach geht es nicht (immer). Ich habe beides schon erlebt. Da dauert etwas sehr sehr lange bis Gott eingreift und dann ist es anders gekommen als ich mir das gewünscht habe. Aber ich habe auch schon erlebt, dass Gott unmittelbar und schnell eingegriffen hat. Dieses Wort aus der Abendmahlsliturgie stammt aus der biblischen Geschichte vom „Hauptmann zu Kapernaum“ (Matthäus 8, 5 – 13). Als römischer Hauptmann war es ihm untersagt, mit einem Juden zu sprechen. Das galt auch umgekehrt. Aber weil sein Knecht so krank war, nimmt er allen Mut zusammen, verstößt gegen alle Konventionen und Vorschriften und bittet Jesus um Hilfe. Jesus erfüllt ihm den Wunsch und der Knecht „wurde gesund zu derselben Stunde“ (Matthäus 8, 13). Das erinnert mich an eine Ostergeschichte, die mein Innerstes in einer besonderen Weise berührt. Sie steht in Johannes 20, 11 – 18. Maria von Magdala steht vor dem Grab von Jesus und weint. Im Grab sieht sie zwei Engel und sie fragt die beiden, wo sie „meinen Herrn weggenommen“ haben. Sie dreht sich um und sieht einen Mann. Der Unbekannte fragt, warum sie weint. Maria meint, es sei der Gärtner und antwortet: „Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir, wo du ihn hingelegt hast, dann will ich ihn holen„. Und dann spricht dieser Unbekannte ein einziges Wort: „Maria„. Dann werden ihr die Augen geöffnet und sie erkennt, dass es Jesus ist. Dieses einzige Wort war die Nennung ihres Namens. Die Schüler in der Grundschule staunen darüber, dass nur der Name die Augen öffnet und die enge Beziehung von Jesus zu ihr wieder hergestellt wird. Mich erinnert das auch an eine Bibelstelle, die oft von Eltern für die Taufe ihres Kindes und von Jugendlichen zu ihrer Konfirmation ausgewählt wird: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“ (Jesaja 43, 1b). Die Beziehung zu Jesus wird hergestellt, weil ich höre, wie Jesus meinen Namen ruft. Maria wird mitten in ihrer Trauer angesprochen und sie wird fähig, diesen Jesus als den Auferstandenen zu erkennen. Das führt dazu, dass sie neu das Leben beginnen kann und nicht in der Trauer stecken bleibt.

Meine Frau und ich hatten in den Tagen vor dem Palmsonntag ein Seminar bei der Christusbruderschaft in Selbitz geplant. Es ist wegen der Coronakrise ausgefallen. Die beiden Referentinnen haben uns die Texte zugeschickt, die an den Tagen uns begleiten sollten. Ein Text war ein Hinführung zu dieser Ostergeschichte. Eine Referentin wäre Beate Thiessen gewesen, die der/die ein/e oder andere Leser/-in kennen wird, weil sie bis vor einem Jahr in Hersbruck gelebt hat. Sie nimmt Bezug auf die Schriftmeditation nach Ignatius von Loyola und gibt Impulse. Ich zitiere daraus: „Ich stelle mir die Szene dort vor dem Grab ganz anschaulich vor: die weinende Maria, die Engel im Grab, die Umgebung, den ganzen „Schauplatz“ des Geschehens. Ich tue das mit all meinen Sinnen: Was sehe ich, was höre ich, was rieche ich? Vielleicht finde ich auch selber einen Platz darin? Ich höre und sehe, was geschieht und wie die beiden miteinander im Gespräch sind. Ich bin mit hineingenommen, erlebe mit…Was regt sich dabei in mir? Ich sehe und höre ihrem Gespräch weiter zu. Wieder stelle ich mir die Situation ganz anschaulich vor. Ich schaue zu, erlebe mit und lass das auf mich wirken, was Jesus Maria sagt. Auch versuche ich zu erspüren, welche Wirkung seine Worte auf mich haben“. Beate Thiessen hat mir erlaubt, Teile ihrer Texte hier abzudrucken. Ich danke herzlich dafür und verweise auf ihre Homepage, auf der sich neben vielen anderen Impulse auch diese Meditation zum Thema findet unter www.beate-thiessen.de. Für mich ist insgesamt interessant, wie bei diesem Text eine Brücke vom Alten Testament (Prophet Jesaja) zum Neuen Testament (Evangelisten Matthäus und Johannes) geschlagen wird. Und wie mitten in den Krisen, Ängsten, Trauer und Hoffnungen dieser verschiedener Menschen die Gegenwart von Gott und Jesus erkannt wird. Denn am Ende dieser Ostergeschichte heißt es: „Maria von Magdala geht und verkündigt den Jüngern: Ich habe den Herrn gesehen, und das hat er zu mir gesagt“ (Jo 20, 18).

Wenn Corona will, steht das Leben (fast) still, Update 28 vom 12.04.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden„. Das ist der Ostergruß der Christen seit vielen Jahrhunderten. Ich vermisse in diesem Jahr vor allem die Osternacht. Seit 1983 habe ich sie jedes Jahr gefeiert. Viele verschiedene liturgische Formen habe ich mit Mitarbeiter/-innen verwendet. In jeder Kirchengemeinde meiner Tätigkeit gab es andere Traditionen. Bei zwei Gemeinden wurde dieser besondere Gottesdienst eingeführt. Vor allem vermisse ich den Wechsel von Nacht zum Morgen, von der Dunkelheit zum Licht. Wir drücken das in Altensittenbach neben dem Hereintragen des Osterlichtes vor allem damit aus, dass wir innerhalb der Liturgie den Altar schmücken, die Glocken läuten lassen und ich den schwarzen Talar ausziehe und den weißen Talar anziehe. Langsam steigt dann auch die Sonne auf und der Ostermorgen erwacht. Mir fehlt das heute und mir kommen auch ein paar Tränen beim Schreiben dieser Zeilen. Ich denke dann vor allem an zwei Osterauferstehungsfeiern in meinem Leben zurück. Am 23.03.2008 war diese Feier noch vor der Zeitumstellung, was vorher in meinem Leben nie der Fall war. Nach der Feier des Hl. Abendmahles und dem Segen gingen wir aus der Kirche und es lag Schnee. Dabei hatte es fast den gesamten Winter nicht geschneit und ich hatte erst zwei Tage vorher am Karfreitag die Schneeschippe zum ersten Mal in der Hand gehabt. Der Gang zum Hochziehen der Osterfahne im Schnee. Das bleibt in Erinnerung.

Im Hintergrund sieht man noch die Schneehaufen vom Räumen!!

Eine weitere sehr intensive Erfahrung war für mich die Osterauferstehungsfeier als Teilnehmer im Gartengrab in Jerusalem am 26.03.1978. Ich habe in meinen vorherigen Updates mehrmals von Erlebnissen auf dieser 4-wöchigen Reise in Israel geschrieben. Ostern – das Fest der Auferstehungsfeier von Jesus – der Tod hat endgültig seine Macht verloren – das Leben siegt – Christus ist stärker als alle Macht der Finsternis. Und das in Jerusalem, am Ort des Geschehens vor fast 2000 Jahren. Auch wenn dieses Gartengrab erst im 3. oder 4. Jahrhundert so gebaut worden ist, so hilft der Anblick zu verstehen, wie solch ein Grab damals ausgesehen hat. Es ist dem Josef von Arimatäa zu verdanken, dass Jesus nicht in eine Massengrab kam wie andere Schwerverbrecher, die am Kreuz hingerichtet worden sind. Er hat Jesus in sein privates Felsengrab gelegt, das sich nur Reiche leisten konnten. So ist dieser Mann ein Bindeglied der Osterbotschaft geworden. Der Engel verkündigt die Osterbotschaft: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden“. (Lukas 24, 5b – 6a). Und am Felsengrab von Jesus ereignet sich vor fast 2000 Jahren eine ganz besondere Ostergeschichte. Für mich die Ostergeschichte von damals, die mich am stärksten berührt. Aber davon dann morgen.

Wenn Corona will, steht (fast) alles still, Update 27 vom 11.04.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Heute endet mit dem Karsamstag die Passionszeit. Sie war ganz anders als ich das sonst gewöhnt war. Am Beginn standen noch die Reden zum politischen Aschermittwoch. Aber gleich danach zog der Coronavirus wie ein unsichtbarer Sturm herauf. Der Starkbockanstich wurde schon verschoben. Mir fällt auf, wie diese Zeit auch in meiner Gedankenwelt von politischen und kabarettistischen Veranstaltungen durchzogen ist. Wo bleibt der Gedanke an das Leiden und Sterben von Jesus? Ich gehe noch einmal in die Thomaskirche, bleibe am Altar stehen und schaue nach vorne. Ich sehe das violette Parament (Altartuch).

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Violett ist die Farbe der Buße und Erneuerung. Nur noch am Buß- und Bettag (Wer sieht dieses Altartuch noch, nachdem dieser Tag seit 1994 kein gesetzlicher Feiertag mehr ist?) und in der Adventszeit leuchtet diese liturgische Farbe. Mir fällt auf, dass mir der biblische Text auf dem Tuch ins Auge springt. Ist mir noch nie aufgefallen, was ich jetzt lese. Ein Wort von Jesus: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid.“ Dieses biblische Wort geht dann weiter mit den Worten: „Ich will euch erquicken„.(Matthäus 11, 28). Ich ärgere mich zuerst, dass ich in all den Jahren hier nie richtig auf dieses Parament geachtet habe. Diesmal ist das anders. Ich denke: Der Text trifft ins Schwarze. Genau so ist es. Das gilt es jetzt zu tun neben all den weltlichen Überlegungen wie es wirtschaftlich und persönlich weitergehen kann. Zu Jesus kommen! Einzugestehen, dass mein Leben nicht immer auf der Sonnenseite sein kann. Ich bin oft genug ein „Mühseliger“ und „Beladener“. Mir fällt ein, wie ich am Karsamstag 1978 in der Grabeskirche in Jerusalem war. Nach dem Eingangstor geht es rechts hoch zur Schädelstätte (Golgata). Dort also wurden die schlimmsten Verbrecher hingerichtet. Und darunter war auch Jesus. Aber was hatte er getan, dass er mit dem grausamsten Tod sterben musste? Am Kreuz! Erstickt sind die so Gehängten am Ende ihres Lebens, weil sie sich nicht mehr hochziehen konnten. Und dann gehen meine Gedanken jetzt wieder zurück an Zeitungsmeldungen, wie Coronakranke nach Luft ringen und beatmet werden müssen. Und wenn das nicht mehr hilft, dann gibt es hoffentlich Schmerzmittel, welche die Sterbenden in die Bewusstlosigkeit bringen und sie in Frieden gehen können. Diese Hilfen hatten die Gekreuzigten damals nicht. Sie haben nach Atem gerungen bis zum bitteren Ende. Kein schöner Text am heutigen Karsamstag für Sie als Leser/-in. Aber ich schreibe, was mir gerade kommt. Und dazu gehört auch, dass dieser Jesus diesen sog. Heilandsruf auch noch heute hinausschreit, vielleicht mehr denn je: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken„.

Wenn Corona will, steht (fast) alles still, Update 26 vom 10.04.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Die Konfirmation bei uns in Altensittenbach sollte am 19.04.2020 stattfinden. Sie ist abgesagt worden. Meine Gedanken gehen zurück an das letzte Samstagtreffen mit der Gruppe. Wie immer kurz vor der Konfirmation stand als Thema auf dem Programm: „Jesus vergibt mir meine Schuld“. In der Regel wählen wir als Einstieg die Überlegung, wo Jugendliche sich sonst nicht so ganz an Recht und Ordnung halten. Also z.B. „Ich schreibe in der Schule ab“, „Ich gehe bei rot über die Ampel“, „Ich fälsche eine Schulnote“ usw. Dann versuchen wir den Übergang zu finden, dass es bei diesem Thema weniger um moralische Schuld geht oder um bestimmte Übertretungen bei weltlichen Gesetzen. Es geht vielmehr darum, dass die Beziehung von Gott zu uns Menschen unterbrochen ist. Es geht darum, dass Jesus durch sein Leben und Sterben am Kreuz diese Beziehung zu Gott wieder in Ordnung bringt und mir vergeben wird. Ich muss nicht mit Schuldgefühlen weiterleben. Vor einigen Jahren haben wir uns dabei als Impuls ausgedacht, dass die Jugendlichen Jesus wie einen Verbrecher suchen sollten ohne dass sie das vorher wissen. Früher war es ja so, dass Steckbriefe ausgehändigt wurden. Ich selbst erinnere mich an die RAF-Zeiten in den 70-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. In jedem noch so kleinen Dorf hingen die Plakate mit Bildern und Texten der Gesuchten aus. Gesagt, getan. Wir geben den Konfirmanden solch einen „WANTED-Zettel“ und sie sollten aufgrund eines Textes den Verbrecher malen, so dass das gesamte Blatt ausgehängt werden könnte. Der Text des Verbrechers lautet: „Er ist weder stattlich noch schön. Wir fanden ihn unansehnlich und er gefiel uns nicht. Er wurde von allen verachtet und gemieden. Er war von Krankheit und Schmerzen gezeichnet. Seinen Anblick konnten wir kaum ertragen. Wir wollten nichts von ihm wissen und haben ihn verachtet„. Im Folgenden ein Bild, das ein Konfirmand in diesem Jahr gezeichnet hat.

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Sieht dieser Jesus nicht furchtbar aus?

Jede/r aus der Gruppe malt sein Bild, legt es auf den Boden und erklärt es. Wenn das alle getan haben, kommt ein/e Mitarbeiter/-in und legt ein Bild mit Jesus am Kreuz hin und ich sage: „Ihr habt jetzt Jesus gemalt“. Großes Erstaunen – Stille – danach nur ein paar wenige Kommentare. Die innere Vorstellung vom Aussehen des Gesuchten und die Auflösung ist nur schwer zu begreifen. Die Beschreibung des Gesuchten sind Worte aus Jes 53, 2b – 3 nach der „Hoffnung für alle“. Dieses sog. vierte Gottesknechtlied beim Propheten Jesaja hat schon den Christen in der „Urgemeinde“ ermöglicht, das Kreuzigungsgeschehen zu begreifen und in einen Zusammenhang mit der Verheißungsgeschichte Gottes zu bringen. Sie erkannten: Das, was mit unserem Meister (Rabbi) geschehen ist, können wir als Erfüllung der Worte aus dem Alten Testament begreifen. Das hilft auch mir, den heutigen Karfreitag so anzunehmen, wie das im Neuen Testament beschrieben ist. Es hilft mir, den Sinn des Kreuzes zu verstehen. Interessant ist für mich, dass diesmal etliche Konfirmanden den Gesuchten mit „Teufelshörner“ gemalt haben. Haben Sie das eher aus Spaß gemacht? Oder haben Sie unbewusst etwas davon gespürt, dass dieser Gesuchte also Jesus – etwas mit der Macht der Finsternis zu tun hat und wie er diese durch den Kreuzestod besiegt hat.

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Das wollte ich bei unserem letzten Treffen noch fragen. Aber dazu ist es leider nicht mehr gekommen. „Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartet wäre. Aber er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten und durch seine Wunden sind wir geheilt (Jes 53, 4 – 5).

Wenn Corona will, steht (fast) alles still, Update 25 vom 09.04.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Heute feiern Christen den Gründonnerstag. Sie erinnern sich an die Einsetzung des Hl. Abendmahles durch Jesus am Tag bevor er starb. Mit der Taufe gehört diese Feier zu den beiden Sakramenten in der evangelischen Kirche. Während die Taufe ein einmaliges Ereignis ist, das die Neugeburt in Jesus Christus symbolisiert, sollen und dürfen Christen das Hl. Abendmahl immer wieder feiern. Jesus sagt selbst zu seinen Jüngern: „Das tut zu meinem Gedächtnis“ (Lukas 22, 19b). Für mich interessant: Der Verräter Judas war auch mit dabei. Er war nicht davon ausgeschlossen. „Doch siehe, die Hand meines Verräters ist mit mir am Tisch (Lukas 22, 21). Bei der Feier des Hl. Abendmahles will ich deshalb ein weites Herz haben und nicht engführend sein. Ein Freund und Kollege von mir war am letzten „Gottesdienstsonntag“, den 15.03.2020 in Oberkrumbach im Gottesdienst und hat die Kanzelabkündigung des Landesbischofes gehört. Das hat ihn dazu veranlasst, grundsätzliche Aussagen zum Thema auf Facebook zu schreiben. Dort heißt es u.a.: „Im Heiligen Mahl, in der Eucharistie, feiert die Gemeinde Christus in ihrer Mitte. Er kommt zu den Seinen. Er gibt ihnen sein Leben. Das Heilige Mahl ist ein Lebensmahl. Es ist Ausdruck der Lebensfreude. Wenn wir Christus essen und trinken, dann haben wir Anteil an seinem Leben. Sein Leib wird zu unserem Leib. Das ist die Wandlung!…Heilmittel der Unsterblichkeit. So wird in der Tradition das Heilige Mahl auch bezeichnet. Denn es gibt uns Anteil an Christus. Sen Leben ist unser Leben. Es weist über die Grenzen des biologischen Lebens hinaus„. In den weiteren Ausführung weist er darauf hin, dass der Coronavirus in sich die Chance trägt, neue Formen des Gottesdienstes zu finden. Er nennt die „Hausgottesdienste, wie sie in der frühen Kirche üblich waren„, die z.B. auch „die Gestalt des Haus- bzw. Familienabendmahles haben“ können. Das erinnert mich daran, dass mein Frau und ich in schwierigen Zeiten das oft praktiziert haben und jetzt auch wieder täglich feiern. Da muss es keine ausgefeilte Liturgie geben. Jeder von Ihnen als Leser/-in kann das in der eigenen Familie praktizieren. Auf den Tisch steht ein kleines Gefäß mit Wein, daneben ein kleiner Teller mit Brot. Es kann auch eine Kerze angezündet oder ein Kreuz hingestellt werden. Einer oder alle sprechen die Einsetzungsworte. Sie finden sich im Gesangbuch unter EG 905, 5 (Hauptstück 5 im Kleinen Katechismus). Danach geben Sie sich gegenseitig Brot und Wein weiter mit den sog. Spendeformeln („Für dich gegeben“, „Für dich vergossen“). Danach kann ein Gebet gesprochen werden so wie sich das z.B. im EG unter Nr. 677 findet. Danach das Vaterunser und einen gemeinsamen Segen, der ganz einfach lauten kann: „Es segne und behüte uns der dreieinige Gott, der Vater, der Sohn und der Hl. Geist“. Grundsätzlich finde ich alle Texte auf EG 677 sehr gut. Aber Gott schaut da nicht auf eine genaue Form, sondern er schaut auf das Herz des Einzelnen, der das Heilige Abendmahl feiert. Manche verbinden das auch mit einem Abendessen und feiern dann das sog. Agapemahl. In Altensittenbach habe wir gelegentlich das bei den sog. „Sonntagsbegrüßungsfeiern“ praktiziert. Solch eine häusliche Form trägt nicht nur in Coronazeiten.

Hier der Link meines Kollegen

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Wenn Corona will,steht (fast) alles still, Update 24. vom 08.04.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Heute ist ein besonderer Tag. Nicht nur, weil heute Abend von 17.00 – 18.30 Uhr das vermutlich größte Gebetstreffen stattfindet, das je es in Deutschland gegeben hat. Heute ist ein besonderer Tag, weil die jüdische Gemeinde das Passahfest feiert. Sie gedenkt in einer besonderen Art und Weise der Rettung von der Knechtschaft aus Ägypten. Zum ersten Mal ist dieses besondere Fest in der Bibel direkt nach der Ankündigung der zehnten Plage in Ägypten erwähnt. Zwischen Ankündigung und Vollzug dieser letzten Plage sind die Worte der Einsetzung des Passahfestes in 2. Mose 12 zu lesen. Die Bibel ist also so gestaltet, dass diese Worte wie eine Art Verheißung für das noch ausstehende Wunder gesprochen werden. Noch ist die Rettung nicht sichtbar, aber das Volk sollte schon vorher den Sieg über die Knechtschaft und die nachfolgende Befreiung aus der Gefangenschaft feiern. Und zwar so, dass die Menschen erkennen, dass Gott, der HERR (Jahwe) am Werk ist und zu seinen Verheißungen steht. Das Passahfest wurde so zum Zeichen der Hoffnung auf ein zukünftiges Eingreifen Gottes. Gott, der HERR hatte viele Jahre vorher zu Mose am brennenden Dornbusch gesagt: „Geh hin und versammele die Ältesten von Israel und sprich zu ihnen: der HERR, der Gott, eurer Väter, ist mir erschienen, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks, der Gott Jakobs, und hat gesagt: Ich habe mich euer angenommen und gesehen, was euch in Ägypten widerfahren ist und habe gesagt: Ich will euch aus dem Elend Ägypten führen in das Land, darin Milch und Honig fließt“ (2. Mo 3, 16-17a). Es war ein langer Weg für Mose bis diese Verheißung in Erfüllung gegangen ist. Er musste viele Widerstände durchleben. Nicht nur gegenüber dem Pharao von Ägypten, sondern auch gegenüber den eigenen Leuten. Ihnen ging die Befreiung aus der Knechtschaft nicht schnell genug (Gehen Ihnen die Forderungen nach Lockerung der Ausgangssperre auch nicht schnell genug?). Die Israeliten hatten alle Hoffnungen auf Mose gesetzt. Aber nach den ersten Plagen wurde es nur noch schlimmer und aus Ärger hatte der Pharao die Maßnahmen gegenüber den Israeliten verschärft und Mose war in einer ganz schwierigen Situation. Sowohl vom Pharao als auch von seinen eigenen Leuten wurde er unter Druck gesetzt. Da half auch wenig, dass ab der vierten Plage nur noch die Leute von Ägypten betroffen waren. Das Volk Israel wollte möglichst schnell die Wende und damit die Freiheit aus der Knechtschaft. Aber Mose blieb ruhig und hat darauf vertraut, dass Gott handeln wird nach seiner Verheißung. Nach der zehnten Plage sollte es endlich so weit sein. Aber vorher versammeln sich die Israeliten und geben Gott mit diesem Passafest (= Fest der Verschonung) die Ehre. Und jedes Jahr gedenkt das Volk der Juden dieses Ereignisses. Ein Hinweis für uns in dieser schwierigen Situation: Auf Gott zu vertrauen mitten in der Krise. Verheißungen Gottes im eigenen Leben entdecken und sie in Erinnerung rufen. So bleibt Gott gegenwärtig im Hier und Jetzt.

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Bitte nicht vergessen: Heute wird zum Gebet für Deutschland eingeladen. Unterstützt wird die Veranstaltung neben vielen kirchlichen Würdeträgern u.a. auch von dem Sänger Peter Maffay und vom Fußballtrainer Heiko Herrlich. Die Schirmherrschaft hat der bayrische Ministerpräsident, Markus Söder.
Von 17.00 – 18.30 Uhr können Sie mitbeten unter www.deutschlandbetetgemeinsam.de oder im BibelTV.

Wenn Corona will, steht (fast) alles still, Update 23 vom 06.04.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in

Was kann und soll ich beten in diesen Tagen? Viele Gebetsaufrufe erreichen mich! Viele Sündenbekenntnisse wurden von vielen Organisationen formuliert. Oftmals hatte ich ein komisches Gefühl in der Magengrube. Manche Gebete wurden missbraucht, um eigene Theologien zu rechtfertigen. Manche waren so formuliert, dass die Gesellschaft insgesamt angeprangert wurde. Manche haben einfach nur ein schlechtes Gewissen gemacht und mich hinuntergezogen. Bei Formulierungen wie „Wir haben nicht…“ habe ich mich nicht immer angesprochen gefühlt, weil ich da bei mir kein Defizit und keine Schuld gesehen habe. Wieder andere Bußgebete waren streng moralisch ausgerichtet und ich würde gerne mit den Verantwortlichen darüber reden. Wenn ich die Reden Jesu richtig verstehe, hat Buße vor allem mit der Freude des nachfolgenden Zuspruchs der Vergebung zu tun. Jesus hat dazu aufgerufen, dass dann ein Fest gefeiert wird wie im „Gleichnis vom verlorenen Sohn“. Ich habe mich an das „Mea culpa“ von Papst Johannes Paul II. erinnert, das er am 12.03.2000 gesprochen hat. Was mir daran besonders gefallen hat: Er hat konkret Ereignisse genannt, bei denen die katholische Kirche schuldig geworden ist. Er hat sie vor Gott gebracht und um Vergebung gebeten. Das Gebet für Deutschland für den morgigen Abend von 17.00 – 18.30 Uhr hat mich zum ersten Mal überzeugt. Deshalb soll der gesamte Text hier stehen zum Nachlesen und Nachsinnen in der Hoffnung, dass viele Leser/-innen dieser Zeilen sich im Internet einklicken werden unter www.deutschlandbetetgemeinsam.de oder es im BibelTV anschauen. Es wird die größte Gebetsversammlung sein, die Deutschland je gesehen hat. Der bayrische Ministerpräsident, Markus Söder ist Schirmherr und wird sich selbst daran beteiligen. Der gesamte Gebetstext ist darauf ausgerichtet, auf Gott zu schauen, ihn um Hilfe zu bitten und eine neue geistliche Ausrichtung in unserem Land zu finden. Deshalb stelle ich jetzt diesen Text in das heutige Update:

In Solidarität mit den vielen Leidenden und jenen, die für unsere Gesellschaft unersetzbare Dienste leisten stehen wir als gläubige Menschen vor Dir, dem Gott des Lebens. Wir bekennen: wir brauchen Deine Hilfe. Nur im Vertrauen auf Dich liegt in der gegenwärtigen Krise die Chance für einen nachhaltigen Neuanfang. Jesus Christus spricht: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken“. Wir beten für unser Land und sprechen:

Wir beugen uns vor dir, dem Dreieinigen Gott und bekennen unsere Schuld. Wir haben dir nicht gedankt für deine tägliche Güte und große Treue. Wir haben in unserem Alltag nicht nach deinem Willen gefragt. Wir haben deine Gebote missachtet, deine Ordnungen verkehrt und das Elend von Menschen ignoriert. Das tut uns von Herzen leid.

Wir hören dein Wort: „Wenn mein Volk, über das mein Name genannt ist, sich demütigt, dass sie beten und mein Angesicht suchen und sich von ihren bösen Wegen bekehren, so will ich vom Himmel her hören und ihre Sünde vergeben und ihr Land heilen“ (2. Chr 7, 14). Wir glauben Dir, dass Du Pläne des Heils und der Hoffnung für uns hast.

Wir bitten dich: Um Jesu Christi willen, Herr, vergib uns unsere Schuld. Wir suchen dich und kehren um von unseren verkehrten Wegen. Heile und erneuere diese Welt, deine Kirche, unser Leben und unser Miteinander. Komm, Heiliger Geist, und erneure das Angesicht der Erde. Mach uns offen für dich und dein Reden. Erfülle uns, damit wir ein Leben führen, das dich ehrt, den Menschen hilft und uns selbst froh macht. Mach diese Krise zu einer Chance, durch die viele Menschen neu zu Dir finden, der Quelle des Lebens.

Wir beten besonders:

  • für die Kranken um Heilung, milde Verläufe und Trost
  • für die Trauernden und Verängstigten um Hoffnung und Zuversicht
  • für alle, die in der Gesellschaft unersetzliche Dienste leisten um Kraft und Schutz
  • für alle, die in Politik, Medizin und Forschung tätig sind: um Weisheit
  • für alle, die durch existenzielle Krisen gehen um Beistand und inneren Halt

Wenn Corona will, steht (fast) alles still. Update 22 vom 06.04.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Das wird diesmal ein etwas anderes Fasten„. So hat zu mir ein Gemeindemitglied am 16.03.2020 und damit ganz am Anfang der Zeit mit Versammlungsverbot gesagt. Einen Tag vorher hatte ich in unseren beiden Kirchengemeinden die letzten Gottesdienste gefeiert. Die geplante Feier mit Hl. Abendmahl wurde schon weggelassen. Wer hätte das am Anfang der diesjährigen Passionszeit gedacht, dass diesmal die Art des „Fastens“ praktisch vorgegeben wird. In den letzten Jahren hörte ich vermehrt: „Was fastest Du denn diesmal?“ Manchmal hörte sich das fast ein wenig verzweifelnd an. So als muss jeder seinen Beitrag dazu leisten. Tatsächlich fiel mir das immer schwerer, mitzumachen. Alkohol trinke ich fast gar nicht, Süßigkeiten gibt es bei mir seit acht Jahren nicht mehr, Fleisch vielleicht einmal in der Woche, nach große Feierlichkeiten steht mir auch nicht immer der Sinn. Digitales Fasten! Ganz ehrlich: Ich benutze dieses Medium nur zu Arbeitszwecken und für wenige Kontakte und Gruppen. Kein Facebook, kein Instagram, kein Twitter. Wenn ich hier mit Fasten prahlen würde, dann wäre ich nicht ehrlich. Denn da gäbe es keinen Unterschied zu den übrigen 46 Wochen.

Was kann ich also fasten? In diesem Jahr hat mir jemand gesagt: „Ich faste vom Fasten. Also ich tue jetzt alles, was mir Spaß macht“. Ich dachte mir: Wenn Du meinst. Warum nicht? Auch eine Möglichkeit. Ob das aber der Sinn vom Fasten ist? Dann kenne ich Leute, die sagen: „Ich esse 6 Wochen lang keine Schokolade und dann haue ich mir am Ostersonntag gleich zwei Schokoladetafeln rein“. Gut, dann spürt derjenige, dass selbst Schokolade wirklich ein Genuss ist, die er nicht unbewusst essen sollte. Ist das mit Fasten gemeint? Es gibt ja unzählig viele Bücher zum Thema. Sie bringen gute Gedanken. Ich dagegen schaue (wie könnte es auch anders sein) wieder einmal in die Bibel und entdecke ein für mich wichtige Stelle auf dem Buch des Propheten Jesaja: „Warum fasten wir, und du siehst es nicht an?…Siehe, an dem Tag, da ihr fastet, geht ihr doch eure Geschäften nach und bedrückt alle eure Arbeiter. Siehe, wenn ihr fastet, hadert und zankt ihr und schlagt mit gottloser Faust drein…Soll das ein Fasten sein, an dem ich Gefallen habe…wollt ihr das ein Fasten nennen und einen Tag, an dem der HERR Wohlgefallen hat? Das aber ist ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg! Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!“ (Jes 58, 3a,4a,6-7). Wenn ich diese biblischen Worte recht verstehe, ist ein Fasten nach dem Willen Gottes nicht auf mich und meinen Wünschen und Eigenarten gerichtet. Dieses Fasten, von dem der Prophet spricht, ist auf den Nächsten gerichtet. Es hat damit zu tun, dass ich in Gemeinschaft mit anderen Menschen lebe. Es kommt also beim Fasten auf das Motiv an. Dann spielt es keine Rolle, ob ich während der Fastenzeit Alkohol trinke oder auf Schokolade verzichte oder auf eine andere Vorliebe. Das Verhältnis zu meinem Mitmenschen ist entscheidend, ob ich nach dem Willen Gottes faste oder nicht. Vor allem auch: Loslassen können von dem, womit ich andere bedrücke. „Das habe ich Dir doch schon so oft gesagt“, „Willst Du das nicht verstehen oder kannst Du das nicht“, „Du begreifst das einfach nicht“, „Hör gefälligst auf das, was ich Dir sage“, „Ich entscheide hier und Du hast mir nicht hineinzureden“, „Siehste, da habe ich doch wieder einmal Recht gehabt“. usw. Das sind nur ein paar Beispiele, an denen ich sehen kann, wo ich andere binde anstatt loszulassen. Solche Sätze zu vermeiden und damit den anderen loszulassen und ihm eigene Wege zugestehen – das wäre ein Fasten nach biblischem Vorbild aus dem Jesajabuch. Das wäre wirklich ein „anderes Fasten“. Und das nicht nur zu Coronazeiten.

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Am kommenden Mittwoch, den 8. April, wird zum Gebet für Deutschland eingeladen. Unterstützt wird die Veranstaltung u.a. von der evangelischen Regionalbischöfin von Bayreuth, Dorothea Greiner, dem katholischen Bischof vom Bistum Eichstätt, Gregor Maria Hanke OSB, von Volker Kauder, MDB und ehemaliger Fraktionsvorsitzender von CDU/CSU im Dt. Bundestag, von Julia Glöckner, Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft sowie dem Sieger einer Ausgabe von „The voice of Germany, Samuel Rösch

Wenn Corona will, steht (fast) alles still, Update 21 vom 05.04.2020

Tägliche Gedanken in einer schwierigen Situation, heute von Christl Schäfer-Geiger

Ganz schön nahe
Eine Frau platzt in das abendliche Essen, eine Runde aus lauter Männern. Sie hat es eilig. Wenn sie zögert…… „Mach ich’s, mach ich’s nicht“, dann traut sie sich vielleicht nicht mehr. Oder der Männerkreis hält sie auf, das zu tun, was sie sich vorgenommen hat. Sie geht auf Jesus zu, öffnet ein Fläschchen mit dem teuersten Duftöl weit und breit und gießt es komplett über seinen Kopf. Sie verteilt es zärtlich und der Duft verteilt sich im ganzen Raum. Er genießt sichtlich die Zuwendung.

Diese zauberhafte Geschichte aus Markus 14, 1-9 wäre der Predigttext für meinen ersten Gottesdienst als Lektorin gewesen. Wie schade, dass diese Geschichte voller Nähe in eine Zeit fällt, die keine Nähe zulässt. Ich kann mir gut vorstellen, wie die Frau, deren Namen wir nicht erfahren, etwas tut, was man eigentlich nicht macht. „Das tut man nicht“ geistert durch meinen Kopf, weil ich das früher so oft gehört habe. Gibt es eine Regel, was man tut und was man zu lassen hat?

Ich erinnere mich an einen Morgen vor Corona. Ich gehe die Pragerstraße entlang und sehe von weitem eine Freundin, die eine Bekannte begrüßt und umarmt. Ich gehe auf die beiden zu und sage: „Ich möchte auch umarmt werden.“ Mit einem Lachen werde ich herzlich gedrückt und setze meinen Weg fort. Das begleitet mich den ganzen Tag.

Ist Herzlichkeit und Liebe Verschwendung? Ist das Ausgießen des teuersten Parfums Verschwendung? So sagen es zumindest die Männer an Jesu Tisch. Man hätte das Geld für die Armen besser einsetzen können. Durchaus. Aber diese Frau hat getan, was in dem Moment notwendig war. Dafür war ihr jedes Mittel recht. Sie hat sich nicht um die Form geschert, war alles andere als nüchtern und hat der Sinnlichkeit einen Platz gegeben.

Jemandem nahe sein, ist wichtig, jemandem zu zeigen, dass man an ihn denkt, ist wichtig. In den Zeiten des „Abstands“ versuche ich auf alle Fälle ein Lächeln zu verschenken. Das steckt nicht an und ist nicht verboten. Und ich schreibe jeden Tag eine Nachricht an jemanden, den ich schon lange nicht mehr gesehen oder gehört habe.
„Mach ich’s, mach ich’s nicht“. Natürlich mach ich es. Nähe ist zurzeit anders als je zuvor. Aber egal in welcher Form, sie ist nie verschwendet.

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Am kommenden Mittwoch, den 8. April, wird zum Gebet für Deutschland eingeladen
u.a. mit dem evangelischen Regionalbischof von Augsburg, Axel Piper, und dem katholischen Bischof vom Bistum Passau, Stefan Oster.
Von 17.00 – 18.30 Uhr können Sie mitbeten unter www.deutschlandbetetgemeinsam.de