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Wenn Corona will, steht (für Genesene und Geimpfte) noch weniger still, Update 433 vom 22.05.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit (Dieser Artikel steht heute in der HZ als „geistliches Wort“.

Eine Frau, die Mut macht

Ich schlage am 15. Mai, heute vor einer Woche die Nürnberger Nachrichten auf. Eine interessante Meldung war: „Eine Frau, die Mut macht“. Ein Artikel und ein Kommentar befassten sich mit der neuen Präses der Evangelischen Kirche in Deutschland, Anna-Nicole Heinrich. Mit gerade einmal 25 Jahren hat sie dieses Amt übernommen. Sie kam ursprünglich aus Thüringen und hatte keinerlei religiöse Erfahrungen im Elternhaus gemacht. Sie erzählt, wie sie durch die Grundschule und mit positiven Erfahrungen in der Kirchengemeinde zum Glauben an Jesus gefunden hat.

Der Kommentator, Hans Böller, meint: „Es war deshalb mutig, die 25 Jahre alte Anna-Nicole Heinrich zur Präses zu wählen, eine junge Frau aus einer kirchenfernen Arbeiterfamilie, die den Weg in die Kirche über die Heilsbotschaft fand und jenseits aller strukturellen Debatten den Halt betont, den eine Gemeinschaft der Gläubigen geben kann – vielleicht gerade in einer rasant sich verändernden Welt, in der viele Menschen nach Halt, nach Orientierung suchen. Wenn ihr wollt: Die Kirche ist da für euch, für euch alle, ihr könnt dort finden, was ihr nirgendwo sonst findet…Menschen wie sie findet, wer sich auf die Kirche einlässt, in vielen Gemeinden, an der Basis, im gelebten Glauben…Es gibt gute Gründe, die Kirche zu verlassen. Aber es gibt auch gute Gründe, sie zu mögen“.

Auf derselben Seite findet sich ein Kommentar von Michael Husarek über den Antisemitismus in Deutschland. Nach den gewalttätigen Auseinandersetzungen im Nahen Osten ist er wieder stark aufgeflammt.

Rechts oben auf derselben Seite 2 findet sich eine wirklich witzige Karikatur von Thomas Plaßmann. Eine Mutter sagt zu ihrem Sohn: „Bald ist Pfingsten! Weißt du, was da gefeiert wird?“ Die Antwort des Sprösslings lautet. „Dass die Außengastronomie wieder öffnet?“.

Ich denke, alle drei Meldungen und Meinungen hängen mit der Frage dieser Woche zusammen: Was bedeutet Pfingsten im Leben der Menschen? Welche Bedeutung hat dieses Fest in unserer Gesellschaft? Es bedeutet, dass das Wirken Gottes diese Welt und meine Person verändert. Die neue Präses wurde von Gott zum Glauben geführt ohne „frommes“ Elternhaus. Andere Menschen haben ihr gezeigt, was Jesus bedeutet. Christen sind geprägt davon, dass Jesus aus dem Volk der Juden stammt und wir ein christlich-jüdisches Erbe haben, das Christen nicht verleugnen sollen.

Pfingsten zeigt mir: Gott verändert durch seinen Heiligen Geist. Das war bei den Jüngern vor fast 2000 Jahren schon so. Sie haben die Angst verloren und haben begeistert von ihren Erfahrungen mit Jesus erzählt. Das war damals wie heute in einem Umfeld, das weniger auf Jesus als eher auf sich selbst geschaut hat. Im zweiten Brief an Timotheus fasst der Apostel das so zusammen: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit“ (2. Timotheus 1, 7). Es ist schön, dass die Nürnberger Nachrichten diese Tatsache auf der ihr eigenen journalistischen Art und Weise würdigen.

Wenn Corona will, steht (für Genesene und Geimpfte) noch weniger still, Update 432 vom 21.05.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Vor mir liegt die Hersbrucker Zeitung (Regionalausgabe der Nürnberger Nachrichten) vom 04.02.2021. Auf der Seite 23 lese ich den erstaunlichen Bericht des Virologen Hendrik Streeck. Er denkt in großen historischen Zusammenhängen und sagt: „Manchmal kommt mir die Zeit vor wie die vierte Kränkung der Menschheit. Sigmund Freud hat das formuliert: Die ersten Kränkungen waren, dass der Mensch doch nicht im Mittelpunkt des Universums steht, dass wir irgendwie vom Affen abstammen und dass wir triebgesteuert sind“. Und dann bringt er diese Sätze von Sigmund Freud in den Zusammenhang der Coronakrise. „Gerade kränkt uns, dass wir als technologisierte Gesellschaft nicht Herr über dieses kleine Virus werden. Die notwendigen Souveränität, damit umzugehen, hätten die Menschen bislang noch nicht erlernt“.

Diese Sätze beeindrucken mich und ich denke: „Da war doch was in der Bibel, das ich damit vergleichen kann. Das kommt mir doch irgendwie in einem anderen Zusammenhang bekannt vor“. Ja, natürlich. Es ist die Geschichte vom sog. „Turmbau zu Babylon“. Im 11. Kapitel des ersten Mosebuches ist sie zu finden. Sie gehört wohl zu den bekanntesten Geschichten aus dem Alten Testament. Sie wird oft zitiert, wenn es um die Sehnsucht des Menschen nah Allmacht geht. „Lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, dass wir uns einen Namen machen…“ (V. 4b). Interessant ist die Motivation zu diesem monumentalen Bauwerk. Die Menschen wollen sich damit einen Namen machen. Sie wollen damit prahlen, was ihnen alles gelingen kann. Heute würden wir sagen: Sie wollen zeigen, was die wissenschaftliche Erkenntnisse alles erreichen kann. Dann wird vom HERRN berichtet wie er dieses Vorhaben kommentiert: „…nun wird ihnen nichts mehr verwehrt werden können von allem, was sie sich vorgenommen haben zu tun. Wohlauf, lasst uns herniederfahren und dort ihre Sprache verwirren, dass keiner des andern Sprache verstehe! (V. 6b – 7).“

Der Mensch hat Allmachtphantasien und diese Coronakrise zeigt, dass diese oft genug gegen Gott gerichtet sind. Ich sage oft zu dieser Geschichte: Die Menschen bauten sich einen Turm, nicht um zu Gott zu kommen, sondern um an Gott heranzukommen und sich über ihn setzen zu können. Das wird aber nicht gelingen. Und ich würde mich freuen, wenn viele Menschen und besonders Wissenschaftler das auch ohne solch einer Krise erkennen würden, dass Gott immer noch größer ist als jeder menschliche Verstand. Kein Wunder, dass der Text aus dem 11. Kapitel des ersten Mosebuches im Rahmen des Pfingstfestes als Lesung bzw. als Predigttext zugeordnet ist. Denn bei den Überlegungen zur Kraft des Hl. Geistes geht es immer auch darum, dass ich als Mensch das Handeln Gottes erkenne und anerkenne.

Wenn Corona will, steht (für Genesene und Geimpfte) noch weniger still, Update 431 vom 20.05.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Draußen vor der Tür

Wer kennt nicht dieses Schild: „Wir müssen draußen bleiben“. Meistens ist dieser Hinweis vor einem Geschäft zu sehen und ein Hund ist abgebildet. In der Zeit der Coronapandemie bin ich mir immer mal so vorgekommen: ich muss draußen bleiben. Vor allem im Bereich der Gastronomie und bei verschiedenen Geschäften des Einzelhandels war das der Fall. Ich selbst war mit meiner Frau vor dem 1. Advent 2021 zwei Wochen in Quarantäne. Dann hieß es für uns: „Wir müssen drinnen bleiben“. Das ist aber nur ein andere Ausdruck für denselben Sachverhalt: Menschen müssen draußen bleiben. Denn wer drinnen bleiben muss in Quarantäne, der ist von der Gesellschaft ausgeschlossen.

Ich habe von Menschen gehört, die mehrmals in die Quarantäne geschickt wurden. Vor allem bei Schüler/-innen ist das passiert. „Draußen bleiben zu müssen“. Das hat etwas Hartes an sich. Es bedeutet: Ich gehöre nicht mehr dazu. Ich darf mich nicht am Leben beteiligen. Ich bin isoliert. Ich bin einsam.

Das Stück „Draußen vor der Tür“ ist wohl das bekannteste Werk von Wolfgang Borchert, der genau heute vor 100 Jahren, am 20.05.1921 in geboren ist. Einen Tag vor der Uraufführung am 21.11.1947 ist er mit gerade einmal 26 Jahren gestorben. Er beschreibt in diesem Stück die Geschichte des Kriegsheimkehrers Beckmann, dem es nach dreijähriger Gefangenschaft nicht gelingt, sich wieder ins Zivilleben einzugliedern. Er bleibt von der Gesellschaft ausgeschlossen und erhält auf seine Fragen keine Antwort.

Ich befürchte, dass es ähnliche Geschichten auch nach der Coronapandemie geben kann und wird. Manche werden neu aufleben und aktiv werden. Andere aber haben solch einen psychischen Knacks erhalten, dass sie damit vielleicht ihr Leben lang leben müssen. Ich hoffe, sie werden lernen, damit umzugehen und mit vielen Gesprächen und Therapie in den Alltag zurückfinden.

Wolfgang Borchert war selbst Opfer des Krieges. Am 23.02.1942 kehrte er von einem Postengang mit einer Schussverletzung zurück. Der linke Mittelfinger musste amputiert werden. Seine Vorgesetzten äußerten den Verdacht der Selbstverstümmelung. Er selbst wurde mit Diphterie in ein Lazarett verlegt. Nach dem Krieg kam er gesundheitlich nicht mehr auf die Beine. Seine Leber war durch andauernde Ernährungsmängel stark geschädigt.

Ich ende mit dem wohl bekanntesten Gedicht dieses Schriftstellers: Ich möchte Leuchtturm sein in Nacht und Wind – für Dorsch und Stint – für jedes Boot – und bin doch selbst ein Schiff in Not“.

Wenn Corona will, steht (für Genesene und Geimpfte) noch mehr still, Update 430 vom 19.05.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Gott, Du hast mich nicht fallen gelassen

In dieser Coronakrise habe ich viele Gespräche geführt. So mancher hat mir von seinen Ängsten und Befürchtungen erzählt. Es ging dabei nicht nur um gesundheitliches Wohlbefinden, sondern auch um Ängste angesichts der Staatsschulden und einer bevorstehenden Inflation. Einmal hat mich ein ganz persönlicher Brief erreicht, der mich sehr berührt hat und der heute im Mittelpunkt des Updates stehen soll. Er wurde mir schon im April 2020 zugestellt. Irgendwie hat es immer nicht gepasst für diese Seite. Aber nachdem diese Coronakrise noch nicht zu Ende ist, kommt jetzt der Inhalt.

Sehr geehrter Herr Metzger,

…möchte meine Lebenserfahrungen mit unserem Gott, wie schon vor ein Jahr versprochen, aufzeichnen. Lieber Gott, ich war oft am Rand eines Absturzes gestanden und Du hast mich nicht fallen lassen, oder ich wurde von Dir aufgefangen. Einmal bin ich tief gestürzt und wurde wieder wachgerüttelt. Dafür ein herzliches Dankeschön. An meiner Beerdigung wünsche ich ein Lied, mit Begleitung auf der Orgel: „Nun danket alle Gott“. Als Kind musste ich öfters in den Keller um was zu holen. Ich zündete einen Holzspan an, dann hatte ich Licht.

„Lieber Gott, ich war oft am Rand eines Abgrundes gestanden und Du hast mich nicht fallen lassen oder ich wurde von Dir aufgefangen. Einmal bin ich tief gestürzt und ich wurde von Dir zurückgeholt und wach gerüttelt. Dafür ein herzliches Dankeschön“.

Wenn Corona will, steht (für Genesene und Geimpfte) noch weniger still, Update 429 vom 18.05.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Leute halt´s zsamm

Vermutlich wäre ich nie an den Ort gekommen, wenn unser Kind Simon nicht diese unheilbare Krankheit gehabt hätte. Aber so war vor allem meine Frau etliche Mal mit ihm im Kinderhospiz in Bad Grönenbach. Dieser Ort liegt ganz nahe an der Autobahn A 7 gleich nach Memmingen. Mitten im Allgäu liegt die Ortschaft in einer wunderbaren Gegend. Ich habe bei meinem gestrigen Update über Sebastian Kneipp schon ein wenig über ihn geschrieben. Das Kinderhospiz St. Nikolaus half den kranken Kindern und ihren Angehörigen, auch mal auszuschnaufen und selbst aufzutanken.

Irgendwann habe ich dann erfahren, dass ganz in der Nähe die Ortschaft Legau liegt. Ich wusste, dass dort Rapunzel Naturkost GmbH entstanden ist und noch heute seinen Hauptsitz hat. Einmal sind wir auch dorthin gefahren und haben von außen den Originalbus besichtigt, mit dem vor fast 50 Jahren Müsli ausgefahren wurde. Heute ist RAPUNZEL ein großer Betrieb. Immer wieder fallen mir Prospekte von diesem Bio-Pionier in die Hände. Neulich habe ich richtiggehend geschmunzelt als ich eine Seite von RAPUNZEL vom Sommer 2020 in der Hand hatte. Dort hieß es: „Leut halt´s zsamm! Will a jeder was Extras ham, nutzt´s blos dem Feind, drum Leut halt´s zsamm“. Darunter wird erklärt, dass dieses Wort auf einem Etikett des Rapunzel Original Müsli von 1977 stand nach einem Inflationsgeldschein aus Altusried von 1920.

Ich war erstaunt, dass sich bestimmte Themen immer wiederholen. Die Angst vor einer gewaltigen Inflation ist ja jetzt nicht unbegründet. Ich hoffe, dass es dazu nicht kommen wird. Und noch mehr hoffe ich, dass der Aufruf von vielen Menschen „befolgt“ wird. Und sollte jemand dieses Wort nicht verstehen, hier noch der Text aus Hochdeutsch wie es auch auf dem Prospekt zu lesen ist: „Leute, haltet zusammen. Wenn jeder nur an sich denkt, trägt das nicht zum Wohl der Gemeinschaft bei. Darum Leute, haltet zusammen!“ Und das gilt erst recht für Christen. „Endlich aber seid allesamt gleich gesinnt, mitleidig, brüderlich, barmherzig, demütig (1. Petrus 3,8).

Wenn Corona will, steht (für Genesene und Geimpfte) noch weniger still, Update 428 vom 17.05.2021

Tägliche Gedanken von POfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Vom VW-Bus zum Millionenunternehmen

Bad Grönenbach. Kennen Sie diesen Ort? Wer auf der A 7 in Richtung Füssen und/oder Oberstdorf fährt, der liest diesen Namen gleich nachdem er an Memmingen vorbeigefahren ist. Direkt an der Ausfahrt auf der linken Seite fallen große Hallen mit einem riesigen Betriebsgelände auf. Dort lagert RAPUNZEL ihre Lebensmittel, die dann weitergebracht werden. Wenn ich daran denke, dass diese Firma 1974 entstanden ist, weil ein Ehepaar einen Bauernhof in Pestenacker (Oberbayern) gekauft hat. Ein Startkapital von 3.000,– DM war damals nötig. Heute hat der Betrieb einen jährlichen Umsatz von knapp 200 Millionen Euro. 1985 kam der Umzug in eine ehemalige Molkerei in Legau. Der erste VW-Bus kann noch heute dort besichtigt werden.

Vor zwei Jahren wurde in diesem Ort der berühmte Milchviehstallskandal aufgedeckt. Auf mindestens zwei Milchhöfen wurden untragbare Zustände entdeckt und haben andere Michbauern in Misskredit gebracht, die vorbildlich Milch erzeugen.

Bis 2007 hat mir dieser Ort wenig gesagt und ich bin nicht sehr oft daran vorbeigefahren. Aber dann spielte er bis 2013 für unsere Familie eine sehr große Rolle. Dort wurde das erste Kinderhospiz in Bayern gebaut, das St. Nikolaus-Kinderhospiz. Meine Frau und ich fuhren mit unserem kranken Sohn Simon im Frühjahr 2007 dort hin und bis zum Jahr 2013 haben vor allem meine Frau und Simon dort schöne Tage verbracht. Ich weiß noch, wie ich beim ersten Mal mit meinem Sohn an der Hand vom Kinderhospiz zum Marktplatz gegangen bin. Ich habe gestaunt, dass überall Bilder von Sebastian Kneipp hingen. Verschiedene Läden sind nach ihm benannt. Diesen berühmten Pfarrer habe ich bis zu diesem Zeitpunkt nur mit Bad Wörishofen in Verbindung gebracht. Ich habe nicht schlecht gestaunt, dass Sebastian Kneipp in Grönenbach eine Anstellung als Knecht hatte. Seinem weitläufigen Verwandten, Kaplan Matthias Merkle hat er es zu verdanken, dass dieser seine besondere Begabung erkannt und ihn in Latein unterrichtet und so auf das Gymnasium vorbereitet hat. Erst mit 27 Jahren begann er 1848 mit dem Studium der Theologie in Dillingen. Er litt vermutlich unter Tuberkulose und entdeckte das Buch „Unterricht von Kraft und Würkung des frischen Wassers in die Leiber der Menschen“ von Johann Siegemund Hahn. Er therapierte sich damit selbst und wurde wieder gesund.

Bei seinem weiteren Studium in München behandelte er heimlich erfolgreich Mitstudenten. Sein Wirken blieb nicht unerkannt und er bekam Probleme mit seinen Vorgesetzten. Schließlich wurde er Geistlicher im Kloster Wörishofen. Er konnte seine Tätigkeit als Priester und Kurheiler dort ausbauen und wurde berühmt. Kneipp sprach sich bei Vorträgen gegen die „moderne, krankmachende Lebensweise“ aus und in Donauwörth wurde der erste Kneipp-Verein gegründet. Papst Leo XIII. gab ihm eine Audienz und ließ sich von ihm behandeln. Er starb am 17. Juni 1897 im Alter von 76 Jahren an einem Tumor im Unterleib.

Schon zu Lebzeiten bis heute gibt es Verfechter und Gegner seiner Wassertherapie. Am Anfang der Coronakrise im März 2020 gab es vor allem auch von Seiten der Befürworter viele Hinweise, wie Menschen mit dem neuen Virus anhand der Behandlungsmethode von Kneipp umgehen können. Heute vor genau 200 Jahren, am 17.05.1821 ist Sebastian Kneipp in Stephansried bei Ottobeuren geboren.

Wenn Corona will, steht (für Genesene und Geimpfte) noch weniger still, Update 427 vom 16.05.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Ein kleines Kind wird zum Vorbild

Gestern habe ich mein Erlebnis in meiner „Krise“ der griechischen Sprachprüfung beschrieben. Seit dem habe ich eine besondere Beziehung zu dieser Wundergeschichte der „Speisung der 5000“ und versuche, es von allen Seiten zu betrachten.

Wichtig ist mir in letzter Zeit eine besondere Person geworden, die scheinbar eine Randfigur ist. In Wirklichkeit ist sie aber entscheidend für den gesamten Ausgang. Dieses Wunder wäre sonst niemals passiert. In Johannes 6, 9 heißt es: „Es ist ein Kind hier, das hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische, aber was ist das für so viele?“. Ich stelle mir die Situation konkret vor. Von 5000 Männer ist in V. 10 die Rede. Vermutlich waren es mit Frauen und Kindern also noch sehr viel mehr. Sie lagerten sich um Jesus zu hören. Irgendwann aber wurden sie hungrig. Sie hatten nichts zu essen dabei. Anders bei diesem Kind. Es hatte fünf Gerstenbrote und zwei Fische mitgenommen. Es hätte diese Wegzehrung für sich behalten können. Es hätte denken können: „Gott sei Dank habe wenigstens ich vorgesorgt. Dann kann ich mich wenigstens satt essen. Reicht sowieso nicht für alle“. Aber das macht dieses Kind nicht!! Es geht zu den Jüngern und zeigt ihnen den Vorrat. Die Jünger bleiben skeptisch. Aber immerhin sagen sie es Jesus weiter. Jetzt hätte das Kind seinen Essensvorrat zurückfordern oder nicht hergeben können. Aber das Kind vertraut alles den Jüngern an und die fünf Brote und zwei Fische werden zu Jesus gebracht. Dann geschieht das Wunder und alle werden schließlich satt. Am Ende bleiben sogar noch zwölf Körbe mit Brocken übrig. Am Ende liegt das Wunder darin, dass Jesus sozusagen „überreich“ beschenkt. Er gibt mehr als wir brauchen.

Dieses ganze Wunder hängt an der selbstlosen und uneigennützigen Haltung dieses einen Kindes. Ich frage mich: Wo sind diese „Kinder“ jetzt zu sehen und zu bemerken mitten in dieser Coronakrise? Es gibt sie. Vielleicht bemerken Sie in ihrem Bekanntenkreis Menschen, die sich so verhalten oder verhalten haben direkt nach dem Lockdown. Sie haben dann ein gutes Werk getan. Vielleicht haben sie auch mit ihrem Verhalten bewirkt, dass wie in der biblischen Geschichte Wunder passiert sind. Denn auch hier gilt wie bei allen Wundergeschichten: Wunder sind ein Zeichen für das Wirken von Jesus in diese Welt. Durch ein Wunder soll Jesus als Herr erkannt werden. Er will keinen weltlichen Machtanspruch. Er will damit auf die Königsherrschaft Gottes mitten in dieser Welt hinweisen. Deshalb entzieht sich Jesus den Menschen am Ende der Geschichte. Sie wollen ihn zum irdischen „Brotkönig“ machen. Aber das war und ist nicht sein Auftrag, den er von seinem himmlischen Vater erhalten hat.

Wenn Corona will, steht (für Genesene und Geimpfte) noch weniger still, Update 426 vom 15.05.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Puh! Geschafft!

Es ist der 27.02.1979. Für mich ein ganz wichtiger Tag. Ich habe die mündliche Prüfung im Fach Griechisch. Ich hatte einen Schulweg „auf Umwegen“. Ich bin von der sechsten Klasse Hauptschule in die Realschule gewechselt. Von dort in die 11. Klasse des Gymnasiums. Nach dem Abitur ging mein Weg auf die kirchliche Hochschule nach Neuendettelsau. Dort musste ich die Sprachfächer Hebräisch, Latein und Griechisch nachlernen. Hebräisch ging ganz gut, weil es viel mit Mathematik zu tun hat und ich war eher naturwissenschaftlich orientiert als sprachwissenschaftlich. Ich habe oft in meinem Leben erzählt, dass ich in der Schule insgesamt drei Fremdsprachen lernen musste: Englisch, Französisch und Deutsche Hochsprache. Und in all diesen drei Fremdsprachen habe ich bis heute Probleme. Aber das steht ja schon in der Bibel, dass Gott aus allem etwas Gutes machen kann (1. Mose 50, 20!!).

Die Fremdsprachen Latein und Griechisch waren für mich deshalb „harte“ Arbeit. Auf der anderen Seite habe ich gemerkt: Wenn ich etwas unbedingt brauche um einen neuen Schritt im Leben nach vorne zu kommen, dann ist die nötige Motivation und Transpiration da. Nach der  schriftlichen Prüfung in Griechisch hatte ich kein gutes Gefühl. Mündlich musst ich also mindestens die Note Drei schaffen. Als Prüfer saßen vor mir ein Schullehrer für Griechisch aus dem Gymnasium Windsbach, der Professor für Griechisch und der Professor für Neues Testament. Zuerst kam der mündliche Teil des Gymnasiallehrers. Ich war einigermaßen zufrieden. Dann wurde ich vom Professor für Neues Testament befragt. Er ließ mich die bekannte Geschichte von der „Speisung der Fünftausend“ und die nachfolgende sog. Brotrede von Jesus (Johannes 6) aufschlagen. „Herr Metzger, bitte übersetzen Sie mal diesen Text“. In mir war ein komisches Gefühl im Bauch. Ich war natürlich voll angespannt. Dann der erste Satz und da plötzlich fielen mir die Worte aus meinem Bibellesen ein. Ich dachte noch: „So falsch kann doch Luther nicht übersetzt haben“. Und dann versuchte ich aus meinem Gedächtnis die Worte her zu holen. Und tatsächlich, der Professor war begeistert. Er fing an, mit mir theologisch über den Text zu reden. Meine Übersetzung (bzw. meine Mischung aus Luther und meinem Gedächtnis) war ihm gar nicht mehr so wichtig. Ihm ging es viel mehr um das Gespräch zum Text und wie das mit Jesus als dem „Brotgeber“ des Lebens zu verstehen ist. Ich war damals im dritten Semester und offenbar hat es ihm auch Spaß gemacht, mit einem noch relativ jungen Studenten darüber zu diskutieren.

Irgendwann war die Prüfung vorbei. Ich ging nach draußen. Dort warteten schon einige Freunde von mir. „Na. Wie war es“. Meine klare Antwort war: „Also, ob die Übersetzungen so gut waren, weiß ich nicht. Aber nach dem Verlauf der Prüfung, kann der Professor doch gar nicht anders, als mir einen Dreier im Mündlichen zu geben. Der will mich doch sicherlich in seinem Hauptseminar im kommenden Semester sehen. Und dafür brauche ich die Prüfung, das sog. „Gräcum“. Dann etwa fünf Minuten Wartezeit. Ich sehe den Professor für Griechisch herauskommen. Er sagt: „Herr Metzger, Sie haben es geschafft“. Und dabei schnaufte er deutlich hörbar sehr tief durch!!!

Es stimmt also: Kenntnis der biblischen Geschichten aus dem Alten Testament und Neuen Testament können im Leben an entscheidenden Weichenstellungen richtig gut sein. Und die Praxis der „Stillen Zeit“ kann wirklich Lebenshilfe darstellen. Vor mir liegt ein Text von Andreas Keiper. Dort heißt es: „Halte dich an Gottes Wort und seine Verheißungen für dein Leben fest! Werde zum Sieger und überwinde die Herausforderungen und Kämpfe in deinem Leben“.

Wenn Corona will, steht (für Genesene und Geimpfte) noch weniger still, Update 425 vom 14.05.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Was Brot backen mit dem Glauben zu tun hat?

Brotbacken ist ein Gefühl“. So lautete die Überschrift der Hersbrucker Zeitung (Regionalzeitung der Nürnberger Nachrichten) in der Pfingstausgabe vor genau einem Jahr. Es ging um einen Brotbackkurs im Biohof See. Dort konnte man lernen, wie Brot aus regionalem Urgetreide handwerklich gebacken wird. Tobias Mücke verriet dabei jede Menge Praxisdetails aus seiner Backstube. Seine Grundthese lautet: Das Geheimnis von Aroma und Lagerfähigkeit beim Brot liegt im Mehl. In einer Wirbelmühle wird es in See „ohne Erhitzen und quetschen unter Erhalt maximaler Vitamin- und Mineralstoffgehaltes mit Keimling und Randschichten vermahlen“. Nur so werden die natürliche Qualität und der Geschmack erhalten. Es gibt noch mehr sehr interessante Informationen für die Teilnehmer des zweitägigen Kurses: „Je kälter der Sauerteig steht, umso saurer wird der Sauerteig, aber auch umso aromatischer“. Wichtig ist dem Referenten auch, dass der Teig noch mit der Hand geknetet wird und nicht mit der Maschine. Er erspart „Bäcker oder Bäckerin das Fitnessstudio“ gibt Tobias Mücke weiter. Und schließlich können die Teilnehmer/-innen den grundlegenden Satz besser verstehen: „Brotbacken ist ein Gefühl. Für jedes der acht Grundrezepte gibt es eine ideale Konsistenz, spezielle Zeitfenster, die man mit Worten nur unzureichend beschreiben kann. Man muss sie erfahren und erfühlen. Ja, Brotbacken ist eine Kunst“.

Ich habe diesen Artikel mit großer Aufmerksamkeit gelesen. Einmal weil ich das als Kind noch selbst bei meiner Mutter so erlebt habe. Allerdings ist sie dann irgendwann doch auf Kneten mit der Maschine umgestiegen. Fitnessstudio hat sie als Bäuerin auch nicht gebraucht. Sie war täglich von früh bis spät unterwegs und beschäftigt. Zum anderen hat mich der Artikel tief berührt, weil die Überschrift mir so ins Auge gesprungen ist und ich mir gedacht habe: Ja, so ist es. Im Leben hängt vieles eben nicht nur an logischen Zusammenhängen. Es muss ein bestimmtes Erleben dabei sein. Ich könnte auch sagen: Die Beziehung muss stimmen, nicht nur das „Handwerkliche“.

So ist es auch im Glauben an Jesus. Ich kann vieles wissen. Ich kann mich mit der Person von Jesus beschäftigen. Ich kann viele Fakten sammeln. Ich kann auch vieles lernen. Aber die Beziehung muss stimmen. Ich muss erfahren, dass dieser Jesus meinem eigenen Leben eine Richtung gibt und dass er ein Ziel für mich hat. Ich muss spüren, dass er mir Menschen an die Seite stellt, die es gut mit mir meinen und für die ich da sein kann. Es kommt also auf den Inhalt von „Brot für das Leben“ an. Jesus ist mit dem Vollkornbrot zu vergleichen, in dem alle Vitalstoffe meines Lebens enthalten sind. Ich mit meiner ganzen Person – mit allen guten und allen schwierigen Seiten – stehe vor Jesus und er will mich versorgen. Dann kann ich Jesus sozusagen ganz „verstoffwechseln“. Dann brauche ich mir nicht den Jesus heraussuchen, so wie er mir gerade passt und den ich verstehen kann. Dann kann ich den ganzen Jesus in mir aufnehmen mit all meinen Fragen und ungelösten Rätseln meines Lebens. Und er stellt sich zu meiner Person mit all meinen Seiten. Dann gilt das, was er selbst gesagt hat: „Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten“. (Johannes 6, 35).

Wenn Corona will, steht (für Genesene und Geimpfte) noch weniger still, Update 424 vom 13.05.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Kein Sofagate im Himmel!

Das war zu Recht ein Aufschrei in der Presse vor allem von demokratischen Staaten. Am 06.04.2021 besuchte eine hochrangige Delegation der Europäischen Union die Türkei. Es sollte u. a. über das Flüchtlingsabkommen zwischen der EU und der Türkei geredet werden. Beim Pressetermin kam es beim offiziellen Foto zum Eklat. Der türkische Präsident Recep Erdogan und der Ratspräsident der EU, Charles Michel sollten darauf zu sehen sein. Deshalb standen nur zwei Stühle bereit. Von der Leyen war überrascht und musste schließlich ebenso wie der türkische Außenminister auf einem weiter entfernt stehenden Sofa Platz nehmen. Das Problem dabei ist, dass ein Außenminister unter dem Präsidenten steht, wohingegen Ratspräsident (Michel) und Kommissionspräsidentin (von der Leyen) gleichrangig sind.so kam es im Nachhinein zu großen politischen Reibereien. Wer den türkischen Ministerpräsidenten kennt, vermutet natürlich sofort eine Tat im Sinne seiner Haltung zu den Frauen. Er versucht die Türkei in einen islamistischen Nationalstaat umzuwandeln, obwohl dieses Land seit dem Staatsgründer Kemal Atatürk eine moderne religiös neutrale Republik sein soll. Erdogan will das anscheinend ändern und seine Gesetze zielen eindeutig darauf ab, dass die anderen Religionen weniger Rechte erhalten als sie schon bisher haben.

Das Pressebild vom 06.04.2021 war dazu eine sehr gute Gelegenheit, das zu zeigen. Manche Journalisten wittern hinter diesem Geschehen aber auch einen Machtkampf innerhalb der Führungsriege der EU. Charles Michel hätte ja das Angebot vom türkischen Präsidenten ablehnen können. Hat er aber nicht. Vielleicht wollte er also nur dadurch zeigen, dass er als Ratspräsident (und Mann??) über der Kommissionspräsidentin stehen will.

Was auch immer geschehen ist: Fest steht, dass es tatsächlich nicht nebensächlich ist, wer wo sitzt. Der Sitzplatz drückt auch eine gewisse Wertschätzung aus. Und wer war nicht bei seiner eigenen Hochzeit froh, wenn die Platzkärtchen endlich alle verteilt waren und kein Streit unter dem Brautpaar das Ergebnis verlangsamt hat. Warum ich das heute erzähle?

Heute feiern Christen das Fest Christi Himmelfahrt. Genau 40 Tage nach Ostern hat Jesus seine Jünger auf dem Ölberg versammelt und sie haben ihn zum letzten Mal gesehen. Jesus ist in die unsichtbare Welt gerückt. Die Platzfrage für Jesus ist da schon längst entschieden. Im Glaubensbekenntnis wird das fast bei jedem Gottesdienst ausgedrückt: „Er sitzt zur Rechten des Vaters. Von dort wird er kommen zu richten die Lebendigen und die Toten“. In der Bibel finden sich dazu mehrere Stellen wie z.B. im Epheserbrief: „Durch sie (seine große Kraft) hat er ihn von den Toten auferweckt und eingesetzt zu seiner Rechten im Himmel“ (Kap 1, 20). Kein Wunder, dass dieser Text ein Predigttext zum Fest Christi Himmelfahrt ist.